Die Trotzige

Dieses Mal hat es nicht gereicht. Erst verlor Angelique Kerber im Fed Cup am Samstag überraschend mit 4:6, 4:6 gegen Lucie Safarova, dann kam der Sonntag als Chance, den enttäuschenden Auftritt vergessen zu machen. Aber auch die Partie gegen Petra Kvitova ging verloren und mit ihr der Traum der deutschen Tennis-Damen, das Finale des Fed-Cups gegen Tschechien zu gewinnen. Im entscheidenden Spiel musste sich Kerber Kvitova mit 6:7 (5:7), 6:4 und 4:6 geschlagen geben.

Die gebürtige Bremerin führte das deutsche Team im Fed-Cup an, so hatte es die deutsche Team-Chefin Barbara Rittner entschieden. Kerber stehe ihr sehr nahe, sagte Rittner vor dem Finale in Prag, weil sie bei ihr Parallelen zu ihrem eigenen Wesen als Tennisspielerin erkenne. „Da ist diese Sturheit und der Trotz, der manchmal durchkommt, gepaart mit einer hohen Sensibilität.“

Kerber, 26, besitzt auch die polnische Staatsbürgerschaft und hat sich in den vergangenen Jahren in der Weltspitze bestens behauptet. „Seit drei Jahren bringt sie unglaubliche Leistungen“, lobte Rittner. Im Jahr 2012 gewann die aktuelle Weltranglistenzehnte die WTA-Turniere von Paris und Kopenhagen, im vergangenen Jahr jenes von Linz.

Am Wochenende hätte sie den größten Triumph ihrer Karriere feiern können – zusammen mit dem deutschen Fed-Cup-Team, zu dem auch Andrea Petkovic, Julia Görges, Sabine Lisicki und Doppelspezialistin Anna-Lena Grönefeld zählen. Doch im Finale des Teamwettbewerbes – dem Pendant zum Davis-Cup der Herren – gerieten sie gegen die gastgebenden Tschechinnen mit 0:3 in Rückstand und hatten damit keine Chance mehr auf den Sieg.

Trotz der Niederlage wird es für Kerber ein besonderes Erlebnis gewesen sein in ihrer Karriere. Mit gerade einmal drei Jahren fing sie damit an, Tennis zu spielen. Ihre Erfolge weckten Begehrlichkeiten beim polnischen Tennis-Verband.

Auf eine Anfrage, ob sie nicht für den polnischen Verband spielen wolle, ging sie aber nicht ein. Dafür wurde sie von der polnischen Presse heftig kritisiert. Kerber erklärte dies damals wie folgt: „Es gab mal eine Anfrage vom polnischen Verband und weil ich mich nicht sofort entschieden hatte, bin ich da in der Presse ziemlich verrissen worden. Aber ich hätte wohl ohnehin für Deutschland gespielt, ich fühle mich als Deutsche.“

Die deutsche Teamchefin Rittner lernte Kerber bei einem Lehrgang kennen, da war sie 16 Jahre alt. „Wir haben 25 Minuten nur mit einem Ball gespielt“, sagt Rittner. „Da hat sich schon die Solide gezeigt, die keinen Fehler macht und sich darüber freut. Wir hatten direkt einen intensiven Draht zueinander.“