Ablasshandel auch für Pflanzendiesel

Mit einem Zertifikatesystem soll auch der Treibstoff von Palmölplantagen zum Biodiesel werden

BERLIN | taz ■ | Bei Gartenbank oder Teppich ist es einfach: Wer sichergehen will, dass das gute Stück ökologisch korrekt und nicht durch Kinder- oder Sklavenarbeit entstanden ist, kann sich an Siegeln wie Rugmark oder FSC orientieren. Beim so genannten Biodiesel ist die Sache komplizierter, aber nicht weniger wichtig. Vor allem, wenn Palmöl der Rohstoff ist, aus dem der Treibstoff gewonnen wird. Dieses wird in Ländern wie Indonesien häufig unter fragwürdigen Umständen hergestellt.

Weil der Bedarf und damit der Import nach Europa steigen wird, hat das Bundeslandwirtschaftsministerium Experten mit der Ausarbeitung eines Zertifizierungssystems beauftragt, das eine nachhaltige Produktion des importierten Öls gewährleisten soll. In diesem Jahr soll der zweijährige Probebetrieb starten. Schon jetzt ist klar: Ein einfaches Biosiegel für den Sprit vom Acker wird es nicht geben.

Der Unterschied zum Logo für Lebensmittel oder Haushaltsgüter: Der Verbraucher wird von dem ganzen System nichts mitbekommen. „Da ist auch nicht notwendig“, sagt Norbert Schmitz, Partner der Beratungsfirma meo Consulting, die das Zertifizierungssystem entwickelt hat und es gestern in Berlin vorstellte. Zwar tankt der Autofahrer bei jeder Dieselfüllung an der Zapfsäule auch ein bisschen Biodiesel, weil die Mineralölkonzerne mittlerweile 4,4 Prozent davon dem fossilen Treibstoff beimischen müssen. Doch ob dieser Diesel aus indonesischem Palmöl oder deutschem Raps hergestellt wurde, bleibt dem Verbraucher verborgen.

Dennoch soll die Biodiesel-Beimischung durch die Zertifizierung ökologisch und sozial korrekt werden. Das bedeutet: Die Artenvielfalt wird nicht beeinträchtigt und kein Regenwald abgeholzt. An dem System haben Umweltverbände, die Automobilindustrie, die Mineralölwirtschaft und die Agrarbranche mitgearbeitet. Allerdings wird auch in Zukunft kein Umweltengel auf den Tankern oder Palmölfässern kleben. Denn anders als beim Kaffee oder der Gartenbank bezieht sich das Öko-Zertifikat nicht auf das konkrete Produkt. Vielmehr hat sich meo Consulting am System des Ökostroms oder des CO2-Emissionshandels orientiert. Wer 100.000 Liter Palmöl für Biodiesel importiert, muss bei einer zentralen Agentur Zertifikate für 100.000 Liter Öl kaufen. Das Geld dafür geht an Ölproduzenten, die die geforderten Umwelt- und Sozialstandards einhalten.

Was kompliziert klingt, sei letztendlich die praktikablere Lösung, sagt Schmitz. Eine direkte Zertifizierung der derzeit rund 30 Millionen Tonnen jährlich in die EU importierten Öls wäre kaum zu kontrollieren, zumal der Bedarf wegen der zunehmenden Bedeutung von Biodiesel noch steigen wird. Beim Transport und der Lagerung in Häfen würde zudem Öl von unterschiedlichen Lieferanten vermischt. Wie viel teurer das Öl durch die Zertifikate wird, ist noch nicht klar.

Offen ist auch, welche Länder sich an dem System beteiligen. Um dem Klima und dem Regenwald tatsächlich zu nutzen, müssten zudem große Palmölverbraucher wie China und Indien mitmachen. Schmitz hat das Modell bereits der EU-Kommission vorgestellt, die positiv reagiert habe. Auch eine Einbindung in den Emissionshandel ist geplant.