HERMANN BRöRING, HERRSCHER IM EMSLAND

Fuchs im Hühnerland

■ 66, Volkswirt, CDU, katholisch, seit 2001 Landrat. Bis 2010 Motor der Emslandisierung, seither ihr Gegner. Foto: dpa

Was ist der gravierendste Unterschied zwischen Maghreb und Emsland? Nein, nicht die Konfession, die ist hie wie dort alternativlos. Der wichtigste Unterschied ist vielmehr: die Technik des Herrschens.

Während arabische Potentaten nämlich versuchen, an der Spitze zu bleiben, beherrscht Emslandrat Herrmann Bröring die Kunst, sich an die Spitze zu setzen. So hat der Christdemokrat soeben der dpa anvertraut, dass man „der agroindustriellen Entwicklung einen Riegel vorschieben“ wolle – kurz dem, was man unter seiner Herrschaft als „Emslandisierung“ zu bezeichnen lernte.

Denn seit 1990 ist Bröring dort an der Macht, zuerst als Kreis-, dann als Oberkreisdirektor, seit 2001 als Landrat: Bei der Kommunalwahl 2001 erhielt er 72,7 Prozent, fünf Jahre später sogar über 74 Prozent der Stimmen. Damals profilierte er sich als Deutschlands unerschrockenster Wegbereiter der Agarindustrialisierung, zumal im Geflügelsektor: Krepelte man im Emsland der 1990er noch bei Broilermastplatzzahlen im einstelligen Millionenbereich herum, sind’s nun 33 Millionen.

Nur: Das stört mittlerweile sogar die langmütig-fatalistischen Emsländer. Ortsuntypisch regt sich Widerstand, vernetzt sich und gefährdet die Macht. Bröring indes, der alte Fuchs – hat sich längst an seine Spitze gesetzt: Seit August 2010 bekundet er „Verständnis“ für den Unmut, im folgenden Herbst versprach er, gegnerischen Argumenten folgend, nur noch Ställe zu genehmigen, die nicht gegen den gesetzlichen Brandschutz verstoßen – sprich: keine mehr. Zuletzt hat er sich sogar die alte Grünen-Forderung angeeignet, das Privileg für landwirtschaftliche Bauten im Außenbereich einzuschränken. Das aber gilt als Voraussetzung für den Mastfabrik-Boom.

Kommunalwahl-Taktik? Aber ja! Zwar tritt der 66-Jährige dieses Jahr nicht erneut an. Will aber, erstens, Ortsteilbürgermeister von Altlingen werden. Und zweitens muss ihm ja der Bestand der Dynastie am Herzen liegen: Alles andere als ein CDU-Landrat – das wäre im Emsland eine echte Revolution. Und die gilt es zu vermeiden. BENNO SCHIRRMEISTER