Vural in U-Haft

Dem Präsidenten der Islamischen Religionsgemeinschaft wirft Staatsanwaltschaft Betrug und Falschaussage vor

Einst führte er Klagen am laufenden Band: Erst gegen Kritiker der Islamischen Föderation Berlin (IFB), dann gegen die Föderation selbst. Nun wird gegen ihn selbst ermittelt: Seit drei Monaten sitzt Abdurrahim Vural, Präsident der Islamischen Religionsgemeinschaft, in Untersuchungshaft. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll er Fördergelder in Höhe von 150.000 Euro in den vergangenen drei Jahren veruntreut haben. Auch seien Löhne und Gehälter nicht ordentlich versteuert worden.

Zuletzt machte Vural im Herbst 2006 von sich reden, als er seinen alten Freunden von der IFB vorwarf, Senatsgelder veruntreut zu haben. Die Organisation, die an Berliner Grundschulen islamischen Religionsunterricht erteilt, habe Lehrer gezwungen, Teile ihres subventionierten Gehalts als Spende an die Föderation abzuführen, so Vural damals. Dies bestätigte sich bei Nachprüfungen des Senats allerdings nicht.

Die Ermittlungen gegen Vural gehen auf eine Anzeige der IFB zurück. Zwischen ihr und Vural gibt es seit langem Streitigkeiten, die sich unter anderem darum drehten, wer demokratisch legitimiert ist, für die IFB zu sprechen. Vural, der in früher als Rechtsberater und Geschäftsführer für die IFB tätig war, hatte später behauptet, rechtmäßiger Sprecher der IFB zu sein. Eine Vorstandsneuwahl im November 2005, bei der er seinen Posten verloren hatte, bezeichnete er als unrechtmäßig. Doch auch in dieser Angelegenheit bekam Vural seinerzeit vom Amtsgericht Charlottenburg nicht Recht.

Sowohl die Islamische Föderation wie auch die Islamische Religionsgemeinschaft sind Dachorganisationen von Moscheevereinen und anderen religiösen Organisationen vornehmlich türkischstämmiger Muslime. Die Mitgliedsvereine der beiden Dachverbände sind dabei pikanterweise nahezu identisch. Einen Prozess gegen Berlin um die Anerkennung der Islamischen Religionsgemeinschaft als „Körperschaft des öffentlichen Rechts“ verlor Vural kürzlich.