Die EU will Spielzeug sicherer machen. Dafür sollen besonders giftige Chemikalien verboten werden, für andere strengere Grenzwerte gelten. Doch Verbraucherschützern geht das alles nicht weit genug.von HEIKE HOLDINGHAUSEN
Giftige Puppen, verschluckbare Autoreifen, duftende Stifte, die Allergien auslösen - Spielzeug in europäischen Kinderzimmern ist oft gar nicht lustig. Deshalb hat die EU die 20 Jahre alte Spielzeugrichtlinie überarbeitet, die die Standards für Barbiepuppen und Co festlegt. Heute Abend beginnt das EU-Parlament mit der Debatte über den Gesetzesentwurf, voraussichtlich Ende der Woche sollen Parlament und Rat darüber entschieden haben.
Die Richtlinie beschäftigt sich vor allem mit den Inhaltsstoffen von Spielzeug sowie seiner Belastbarkeit. Sie sieht vor, dass besonders gefährliche Chemikalien, die Krebs auslösen, das Erbgut verändern oder die Fortpflanzungsfähigkeit gefährden können, künftig größtenteils nicht mehr in Spielzeug enthalten sein dürfen. Auch werden einige der Duftstoffe verboten, die Allergien auslösen können. Die Höchstmengen von Schwermetallen wie Blei und Zink sollen gesenkt und außerdem sichergestellt sein, dass sie nicht auf der Oberfläche der Spielzeuge auftauchen können. Diese dürfen künftig nicht mehr fest mit Lebensmitteln verbunden sein - etwa als Lutscher, in dem ein Figürchen steckt. Zudem soll das Spielzeug sicherer werden - also keine Kleinteile aufweisen, die verschluckt werden können.
Unklar ist noch der Umgang mit Kinderbüchern. Meldungen, wonach Bücher für unter Dreijährige künftig nicht mehr verkauft werden dürften, seien "eine Räuberpistole", sagt der liberale Europaabgeordnete Alexander Graf Lambsdorff. Nur im Einzelfall müsse geprüft werden, ob Bücher, bei denen die Spiel-Elemente überwögen, als Spielzeug gelten. Insgesamt stelle der Entwurf eine Verbesserung dar, sagt die sozialdemokratische EU-Abgeordnete Evelyne Gebhard, das Spielzeug werde nun sicherer.
Verbraucherschützer allerdings sind alarmiert: "Schwermetalle und Duftstoffe haben gar nichts in Kinderspielzeug zu suchen", sagt Monika Bühning vom Bundesverband der Verbraucherzentralen in Berlin. Es reiche nicht aus, nur die Höchstmengen zu begrenzen. Auch Alexandra Caterbow vom Netzwerk WECF kritisiert den Entwurf, den die Hersteller offenbar mitformuliert hätten. "Es gilt das Vorsorgeprinzip", sagt Caterbow, "wenn Chemikalien in Verdacht stehen, gefährlich zu sein, müssen sie verboten werden."
Einmütig kritisieren die Verbraucherschützer, dass die Richtlinie keine unabhängigen Kontrollen der Hersteller vorsieht. Produzenten von Spielzeug müssen mit dem Zeichen CE bezeugen, dass ihre Waren den europäischen Gesetzen entsprechen. "Dieses Zeichen darf sich jeder Hersteller selber auf seine Produkte kleben", sagt Caterbow. Es besage daher gar nichts. Österreich und Deutschland hatten im Rat vergeblich versucht, unabhängige Kontrollen zu verankern. Auch im Parlament waren Sozialdemokraten und Grüne damit in der Minderheit.
Ingetraud Palm-Walter vom Verein "Spielgut", der auf freiwilliger Basis Spielzeuge prüft, fordert gesetzlich vorgeschriebene und unabhängige Stichprobenprüfungen - und bei Nichteinhaltung der Vorgaben empfindliche Strafen für die Hersteller. Dieses System sei sowohl wirksam als auch finanzierbar.
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