KOMMENTAR: SVEN-MICHAEL VEIT ÜBER DEN ENTSCHEID AUF HELGOLAND

Lehrstück der Demokratie

Helgoland muss den Weg zu ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeit finden

Sie wollen die große Lösung nicht, die Helgoländer. Das ist ihr gutes Recht. Schließlich ist es ihre Insel ganz allein weit draußen im Meer, kein Nachbar weit und breit, der ihnen da reinreden dürfte. Und wenn sie wollen, dass es bei der Doppelinsel bleibt, welche die Nordsee vor 290 Jahren schuf, dann geht das in Ordnung. Zweifel aber, dass dieses Votum der Weisheit letzter Schluss ist, bleiben.

Denn dass es nicht so bleiben kann, wie es ist, dürfte allen klar sein. Das Image des Fuselfelsens zieht zu viele Tagesgäste an und zu wenige Urlauber. Zudem leidet die Insel an Auszehrung. Die Jungen ziehen weg, die Alten bleiben, der Schule droht das Aus. Zweitwohnungsbesitzer vom Festland treiben die Immobilienpreise hoch, tragen aber zum Gemeindeleben wenig bei.

Deshalb muss Helgoland seinen Weg zu ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeit finden. Als Zentrum für Offshore-Windkraft bietet sich eine tragfähige Perspektive, als Oase der Ruhe für urlaubende Familien und naturbegeisterte Touristen eine zweite Möglichkeit. Dafür aber muss investiert werden, dafür müssen Angebote geschaffen werden.

Bisher haben die Helgoländer sehr lebhaft debattiert, aber nicht unversöhnlich gestritten. Nun muss aus diesem Lehrstück der Bürgerdemokratie die Fähigkeit zu einer konsensualen Lösung für die Zukunft erwachsen.

Und das geht auf so einer kleinen Insel nur gemeinsam.

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