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Zwei Blicke auf einen Kontinent

Pünktlich zum G-8-Gipfel entdecken deutsche Tageszeitungen Afrika. Sonderausgaben von „Bild“ und „Frankfurter Rundschau“ zeigen zwei verschiedene Kontinente

„Liebes Afrika“, begann gestern die berüchtigte Kolumne „Post von Wagner“ in Bild, „es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die ersten Menschen Afrikaner waren, folglich Afrika das Paradies und Adam und Eva schwarz.“

Es ist zwar unwahrscheinlich, dass die gestrige Afrika-Sonderausgabe von Bild in verstärktem Ausmaß im „lieben Afrika“ vertrieben wurde, aber man kann es nur hoffen. Denn: „Wenn ich an Afrika denke, dann denke ich auch an Brandenburg. Viele schöne Menschen Afrikas sind Nutten und Kellner geworden“, klärt Wagner seine Leser weiter auf. Die Bundesregierung sollte diese Ausgabe unbedingt in deutschen Visa-Ausgabestellen in Afrika auslegen lassen. Dann endlich erfahren Afrikaner etwas über Deutschland.

So geht das, wenn Rocksänger Bob Geldof einen Tag lang Chefredakteur von Europas größter Tageszeitung spielt: Ein verhungerndes schwarzes Kind umrandet von der Form des afrikanischen Kontinents prangt braunrot auf der Bild-Titelseite, und darüber brüllt das Blatt: „Schluss damit! Jetzt!“ Und dann macht Bild damit Schluss, und zwar jetzt: Im Interview inszeniert Geldof mit Bundeskanzlerin Angela Merkel die Zusage, dass die Bundesregierung jetzt Geldofs Forderungen nach mehr Entwicklungshilfe für Afrika zu erfüllen gedenkt. Gelungene PR.

Man kann das auch anders machen. Die SPD-nahe Frankfurter Rundschau lässt in ihrer gestrigen Sonderausgabe „Hier spricht Afrika“ viele Afrikaner zu Wort kommen – im prominentesten Beitrag gleich auf den Seiten 2 und 3 schreibt ein wehmütiger Nuruddin Farah über seine somalische Heimat. In Randspalten äußern sich normale afrikanische Menschen per Kurzinterview. „Was ist das Schönste in Ihrem Land?“, fragt die FR Unternehmerin Félicité Ko Ngana. „Die Zentralafrikanische Republik ist wirklich ein sehr schönes Land“, antwortet sie.

Afrikaner müssen also doch nicht in Brandenburg Kellner und Nutten werden, um einem qualvollen Tod in der Heimat zu entgehen. Die FR zeigt in einer Fülle von Reportagen und Analysen auch Afrikas lebenswerte Seiten, wenngleich oft merkwürdig verhalten und vermischt mit normalen Nachrichten. Man hat sich nicht so recht getraut, aus der Sonderausgabe auch eine besondere Ausgabe zu machen.

Auf den beiden Mittelseiten wirbt die Lebensmittelkette Edeka aber für Mangos von der Elfenbeinküste und aus Mali. In der FR bekommt man darauf Lust. In Bild versteht man hinterher nicht, warum es uns überhaupt noch gibt, nachdem Adam und Eva ja offensichtlich verhungert sein müssen. DOMINIC JOHNSON