Die USA reden wieder mit dem Iran

In der irakischen Hauptstadt Bagdad finden die ersten offiziellen Gespräche beider Staaten seit fast drei Jahrzehnten statt. Thema sind Sicherheitsfragen im Zweistromland. Teheran meldet die Enttarnung mehrerer westlicher Spionageringe

Erstmals seit 27 Jahren haben sich Vertreter der USA und des Iran gestern zu offiziellen bilateralen Gesprächen getroffen, die von den USA im Anschluss als „positiv und sachlich“ bezeichnet wurden. Das Treffen fand in Bagdad in der Residenz des irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki in der schwer bewachten Grünen Zone statt.

Thema der vierstündigen Zusammenkunft soll ausschließlich die Lage im Irak und nicht das iranische Atomprogramm gewesen sein. Für Washington nahm der US-Botschafter im Irak, Ryan Crocker, an dem Gespräch teil. Der Iran wurde durch seinen Botschafter Hassan Kasemi vertreten. Die Gespräche seien sachlich und positiv gewesen und es gebe eine breite Übereinstimmung hinsichtlich der Politik gegenüber dem Irak, erklärte Crocker im Anschluss an das Treffen. Die iranische Seite war zunächst zu keinem Kommentar bereit.

Die amerikanischen Truppen im Irak haben 42 Geiseln aus der Hand von Al-Qaida-Mitgliedern befreit. Die irakischen Zivilisten seien teilweise schon vier Monate lang nordöstlich von der Hauptstadt Bagdad festgehalten worden, teilte Generalmajor William Caldwell am Sonntag mit. Einige seien gefoltert worden und wiesen unter anderem auch Knochenbrüche auf. Es handelte sich dem Militärsprecher zufolge um die bislang größte Anzahl befreiter Gefangener von al-Qaida im Irak. Hinweise aus der Bevölkerung hätten die US-Truppen zu dem Versteck in der Provinz Dijala geführt. Einem neuen Selbstmordanschlag in Bagdad fielen am Montag mehr als 20 Menschen zum Opfer. Fast 70 weitere wurden verletzt.

Die Iraner sollen aber nach US-Angaben eine weitere Zusammenkunft vorgeschlagen haben. Danach will Teheran das Instrument einer Dreiergruppe einrichten, in denen sich Iran, Irak und die USA regelmäßig mit irakischen Sicherheitsfragen beschäftigen sollen.

Der Iran betrachtet die US-Präsenz in seinem Nachbarland Irak als eine direkte Bedrohung seiner nationalen Sicherheit, während Washington Teheran immer wieder vorwirft, den iranischen Einfluss im Irak zu nutzen, um die dortige Lage zu verschärfen, etwa durch die Unterstützung der schiitischen Milizen. Das US-Militär im Irak bezichtigt die Iraner, hochentwickelte Straßenminen zu liefern, denen US-Soldaten fast täglich zum Opfer fallen. US-Botschafter Crocker forderte seine iranischen Gesprächspartner erneut auf, Training und Bewaffnung der Milizen zu unterlassen.

Die iranische Regierung hatte im Vorfeld des Treffens gemischte Signale ausgesandt. Irans Außenminister Manutschehr Mottaki ließ verlauten, dass die Gespräche nur dann Erfolg haben könnten, wenn Washington „seine verfehlte Politik“ ändere. Gleichzeitig lancierte die Regierung in Teheran am Wochenende Meldungen, laut denen die iranische Spionageabwehr mehrere amerikanische und westliche Agentenringe enttarnt habe. Der Schweizer Botschafter als Vertreter der US-Interessen im Iran wurde inzwischen ins Außenministerium in Teheran einbestellt. Botschafter Philippe Welti sei aufgefordert worden, von Washington Aufklärung über die Geheimdienstaktivitäten zu bekommen, hieß es. Den Meldungen zufolge sollen auch irakische Gruppen in die nachrichtendienstlichen Tätigkeiten verwickelt gewesen sein. Die Spionageringe seien im Westen, im Südwesten und im Zentraliran mit Sabotageakten aktiv gewesen.

Dagegen hatte der oberste US-Kommandeur im Mittleren und Nahen Osten versucht, im Vorfeld der Bagdader Gespräche gut Wetter zu machen, indem er „Teheran als bedeutenden Akteur in der Region“ bezeichnete. Washington könne den Iran nicht ignorieren, sagte Admiral William Fallon. „Wir müssen einen Weg finden, mit ihnen zu einer Vereinbarung zu kommen.“ Zugleich bekräftigte Fallon, die USA würden sich nicht aus der Region zurückziehen. Die USA hielten ihre Präsenz dort wie seit Jahrzehnten weiter aufrecht. Um dem Nachdruck zu verleihen, ließen die USA vor den Gesprächen in Bagdad gleich zwei Flugzeugträger zu einem Manöver im Persischen Golf auffahren.