Arabische Welt ist gespalten

Krieg der Bilder

Die Arabische Liga fordert von Israel, seine Angriffe auf die Palästinenser sofort einzustellen. In Jerusalem hat dagegen das Kabinett den Einmarsch in den Gazastreifen schon im Grundsatz gebilligt.von KARIM GAWHARY

Auch ein Krieg der Bilder: Ein palästinensischer Sanitäter bringt ein verwundetes Mädchens ins Krankenhaus.   Bild:  ap

Der Gaza-Krieg ist auch ein Krieg der Bilder. Die Palästinenser zeigen verletzte Kinder in den überfüllen Krankenhäusern von Gaza. Die israelische Armee präsentiert von Drohnen aufgenommenes Videomaterial. Eine dieser vom Militär freigegebenen Luftaufnahmen zeigt eine von einer israelischen Aufklärungsdrohne gefilmte Szene vom 28. Dezember. Zu sehen ist eine Gruppe Menschen, die, wie die israelische Armee behauptet, sogenannte Grad-Raketen auf einen Kleinlaster lädt, die auf israelisches Territorium abgeschossen werden sollten. Kurz darauf schlägt eine Luft-Boden-Rakete in den Lastwagen ein.

Eine Version, die die israelische Menschenrechtsorganisation B'Tselem jetzt in Zweifel zieht. Sie ist dem Video nachgegangen. Deren Mitarbeiter in Gaza haben den Besitzer des Lastwagens, Ahmad Sanur, ausfindig gemacht. Sanur behauptet, dass er und seine Familie zu seiner Metallwerkstatt gefahren seien, um von dort Material zu retten. Die Familie sei gerade dabei gewesen, zum Schweißen verwendete Sauerstofftanks aufzuladen, als die israelische Rakete einschlug. Sanur behauptet, keinerlei Beziehungen zu irgendwelchen militanten Gruppen zu unterhalten. Die Mitarbeiter haben den zerstörten Lastwagen und die immer noch daneben liegenden Sauerstofftanks fotografiert. Bei dem Angriff waren acht Menschen getötet worden, darunter Sanurs Sohn, zwei weitere wurden schwer verletzt.

Unterdessen gab es zum Jahreswechsel in der arabischen Welt wenig zu feiern. Fünf Kriegstage hatten die obersten arabischen Diplomaten gebraucht, um zu einer sogenannten Dringlichkeitssitzung zusammenzukommen, herausgekommen ist dabei herzlich wenig. Es machten sich erneut tiefe Gräben zwischen den zwei Lagern, den gemäßigten, die Hamas eine Mitverantwortung für den Krieg geben und die die Islamisten geschwächt sehen möchten, und jenem Lager, das das "Widerstandskonzept" der Hamas unterstützt. Syrien und das Golfemirat Katar versuchten mit Vertretern zehn weiterer Länder die anderen davon zu überzeugen, so schnell wie möglich ein arabisches Gipfeltreffen einzuberufen. Ägypten legte seinerseits als Gegenvorschlag ein Papier vor, das Israel zum sofortigen Stopp seiner Aggression gegen den Gazastreifen auffordert, gleichzeitig verlangt es aber auch von der Hamas, ihren Rivalen, Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, als legitimen palästinensischen Führer anzuerkennen. Herausgekommen ist lediglich eine Erklärung, die Israel zur sofortigen Einstellung seiner Angriffe auffordert.

Auch andere diplomatische Vorstöße, den Krieg zu beenden, sind bisher gescheitert. Der UN-Sicherheitsrat hat fast zeitgleich mit der Arabischen Liga getagt, um einen von Libyen eingebrachten Resolutionsvorschlag zu debattieren, in dem Israel rechtlich bindend aufgefordert wird, die Angriffe einzustellen. Der Entwurf wurde von den USA sofort abgelehnt, weil dort von der Einstellung des Raketenbeschusses der Hamas auf Israel keine Rede ist.

UNO-Beamte schlagen Alarm wegen der humanitären Lage im Gazastreifen. Das einzige E-Werk hatte bereits am Dienstag aus Mangel an Diesel seine Turbinen abgeschaltet, erklärt der UN-Nothilfekoordinator John Holmes. Das zwinge die Krankenhäuser, auf ihre Generatoren und auf die eigenen begrenzten Dieselvorräte zurückzugreifen. Viele der 650.000 Einwohner im zentralen Teil Gazas hätten derzeit 16 Stunden am Tag keinen Strom, beschreibt er die Lage.

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