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Warnruf vom Campus

Es war zu erwarten, dass die Studierenden der Humboldt-Uni die neu eingeführten Studiengänge in vielen Punkten nicht gut bewerten würden. Zu sehr schränkt die neue Verschultheit ein, zu präsent sind noch die Freiheiten der alten Magister- und Diplomstudiengänge. Doch es wäre falsch, im Ergebnis der Umfrage nur die Beharrungskräfte reformunwilliger Studierender zu sehen. Im Gegenteil: Sie ist ein ernst zunehmendes Signal.

KOMMENTAR VON ANTJE LANG-LENDORFF

Denn die Umfrage lenkt den Blick auf echte Defizite der Bologna-Reform. Wie sollen die vielen, die neben ihrem Studium noch arbeiten müssen, dies mit dem strikten Ablauf der neuen Ordnungen vereinbaren? Sicher, manch einem Langzeitstudenten aus dem Magisterzeitalter hätte die ein oder andere konkrete Zielvorgabe nicht geschadet. Doch diese Spezies sieht man an den Unis kaum noch.

Die meisten Studierenden sind zielstrebig. Sie kümmern sich selbst um Praktika und Nebenjobs, die ihnen auch den Einstieg ins Berufsleben erleichtern – wenn nicht gar erst ermöglichen. Dieses Engagement erschwert die neue Ordnung jedoch, statt sie zu fördern.

Und nicht nur Jobber, auch junge Eltern haben es an der Uni schwer. Alle fragen sich, warum Akademiker wenig Kinder bekommen. Doch wer derart starre Zeitpläne vorgibt, darf sich nicht darüber wundern, dass zumindest unter den Studierenden die Zeugungslust ausbleibt.

Die Probleme an der Uni sind mit dieser Umfrage nun schwarz auf weiß nachzulesen. Die Politik darf den Warnruf vom Campus nicht überhören. Sie muss für die Studierenden wieder mehr individuelle Spielräume schaffen. Sonst haben am Ende nur jene einen Abschluss, die nichts nebenbei machen. Und das sind wahrlich nicht immer die Klügsten.