Oberbürgermeister kann nicht über sich selbst lachen

Weil er Braunschweigs OB kritisierte, dürfen Stadtbedienstete nicht mehr mit dem Satiriker Hartmut El Kurdi auftreten

BERLIN | taz ■ | Er habe eine „Herrenreiter-Mentalität“ und setze gerne mal den „politischen Stahlhelm“ auf. Weil der Kinderbuchautor, Regisseur und taz-Wahrheit-Autor Hartmut El Kurdi den Braunschweiger Bürgermeister Gert Hoffmann (CDU) in einem Stadtmagazin kritisierte, hat Hoffmann allen Stadtbediensteten den Kontakt mit dem Satiriker untersagt. Das komme einem Maulkorb für den in Braunschweig lebenden Künstler gleich, kritisierte der Deutsche Kulturrat in Berlin. Hoffmann schaffe „eine Atmosphäre der Angst unter Braunschweiger Künstlern“. Dass ein Oberbürgermeister seine Verwaltung so offen instrumentalisiere, habe „es in Deutschland bisher selten gegeben.“

Zuvor war bekannt geworden, dass eine Mappe mit El Kurdis Artikeln bei Ratsmitgliedern und Kulturinstitutionen der Stadt kursierte, auf denen Hoffmann-feindliche Äußerungen gelb markiert worden waren.

„Sie versuchen, mich zum Schweigen zu bringen“, sagt der mehrfach preisgekrönte El Kurdi. Es sei „unfassbar, dass in dieser Stadt keine Kritik stattfinden darf“, protestiert der Autor, der Hoffmann auch wegen seiner NPD-Mitgliedschaft in den 60er-Jahren angegriffen hatte. Vom Kulturamt habe er seit langem keine Aufträge mehr bekommen. Die Leiterin der Stadtbibliothek hatte bei einem Schul-Vorlesewettbewerb kein Grußwort sprechen dürfen, weil El Kurdi in der Jury saß. Es dürfe nicht sein, „dass ein Politiker die Qualität von Kunst zu beurteilen hat“, betont El Kurdi und sieht sich als „Opfer der neuesten Absolutismus-Attacken“ Hoffmanns.

Kulturdezernent Wolfgang Laczny kritisierte, der „politische Kolumnist und Agitator El Kurdi“ ziele häufig „unter die Gürtellinie“. Das Kontaktverbot sei „auch im Interesse der Mitarbeiter, die andernfalls in eine unhaltbare Situation kommen können“.