Kommentar von STEFAN REINECKE
Der Papst hat kürzlich einen Weihbischof berufen, der Harry Potter für Satanismus hält. Außerdem glaubt dieser Mann, dass der Hurrikan, der New Orleans zerstörte, eine Strafe Gottes für eine sündige Stadt war. Wer das liest, mag zweifeln, ob die Trennung in fundamentalistische Sekten und moderate Kirchen nicht doch ein Trugbild ist. Der Papst Benedikt XVI. scheint jedenfalls entschlossen, den Katholizismus zu einer Trutzburg gegen die Moderne aufzurüsten.

Stefan Reinecke, 49, lebt in Berlin- Kreuzberg, war früher Redakteur der taz-Meinungsseite und ist seit fünf Jahren Autor der taz. Er beschäftigt sich vor allem mit Innenpolitik, Parteien und Geschichtspolitik. Foto: taz
Als Agnostiker mag man diese Wende ins 19. Jahrhundert für ein beunruhigendes Zeichen der Fundamentalisierung der Weltbilder halten. Aber für mehr auch nicht. Hierzulande herrscht Religionsfreiheit, die ein kaum zu überschätzender zivilisatorischer Wert ist. Sie schließt ein, dass Weihbischöfe abergläubischen Unfug predigen dürfen. Das ist ihre Party, nicht unsere.
Anders liegt der Fall des britischen Bischofs Richard Williamson, den der Papst rehabilitiert hat. Williamson leugnet unverdrossen den Holocaust. Angela Merkel verlangt von Papst Benedikt nun eine Klarstellung. Das ist eine ungewöhnliche, ja spektakuläre politische Einmischung in das päpstliche Kerngeschäft. Und - sie ist notwendig. Denn der Vatikan hat, trotz aller gewundenen Distanzierungen, damit einen Holocaustleugner konsensfähig gemacht. Das ist eben dann doch unsere Party.
In der Bundesrepublik hat sich in einem zähen, mühsamen Prozess das Bewusstsein herausgebildet, dass niemand den Holocaust in Abrede stellen darf. Die päpstliche Rehabilitierung von Richard Williamson, der die Gaskammern für eine Erfindung hält und gegen den deutsche Staatsanwälte ermitteln, ist ein Angriff auf diese Staatsraison und ein Dementi jedes republikanischen Wertegefüges.
Als Erster hat übrigens der Zentralrat der Juden gegen Williamson protestiert. Später kritisierten katholische Bischöfe den Papst, manche scharf, aber keineswegs alle. Danach meldete sich Merkel, die Zögerliche. Es wäre schön, wenn diese Reihenfolge mal anders wäre. Und doch zeigt Angela Merkels Intervention einen unübersehbaren Fortschritt. Ob Helmut Kohl vor zwanzig Jahren ähnlich eindeutig reagiert hätte, darf man tunlichst bezweifeln.
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Leserkommentare
05.02.2009 11:40 | Norbert Schlaegstrohm
Der Papst gehört mit unnachgiebiger Härte bestraft! So einer darf nie wieder rauskommen!
05.02.2009 09:50 | Karolus
Reineckes Meinung, dass Merkels Intervention notwendig gewesen sei, ist zuzustimmen. Auch der, die da lautet, dass Religion ...
05.02.2009 01:07 | vic
Diese Frau, genannt Kanzlerin, duckt sich grundsätzlich erstmal 14 Tage weg, um zu sehen woher der Wind weht. Erst wenn das ...