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Football und Feuerwerk

Die AFL begreift sich als die fanfreundlichste Liga der Welt – die Verantwortlichen tun einiges, um dem selbst gesteckten Anspruch gerecht zu werden

Man stelle sich vor, in der Arena zu München würde nach jedem Spiel das Publikum aufs Spielfeld geladen. Dann erscheinen Oliver Kahn, Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger und signieren eine halbe Stunde lang Trikots und posieren für Fotos.

In der Arena Football League (AFL) ist dies Alltag. Auch nach einer Niederlage trotten die Spieler von Tampa Bay Storm tapfer zurück aufs Feld. Zur Öffentlichkeitsarbeit sind sie verpflichtet.

Die AFL bietet ihren Zuschauern eine radikal andere Form von Football. Die 19 im ganzen Land verteilten Mannschaften spielen in Hallen auf einem Feld, das nur halb so groß ist, nur acht statt elf Spieler laufen pro Mannschaft auf, eng ist es trotzdem. Die AFL-Version ist schneller und actionreicher. Dazu wurden viele Regeln verändert. Verteidigung ist nur noch Nebensache. „Wir haben das Spiel für hohe Ergebnisse umgebaut“, erzählt Charlie Taylor von der AFL. Dreimal so viele Punkte werden erzielt wie beim NFL-Football. Ob das allerdings noch Football ist, da gehen die Meinungen auseinander. Im Gegensatz zu der von Taktik geprägten NFL wirkt die AFL eher wie Hinterhof-Football mit Weltklasseathleten.

Die Eintrittspreise sind vergleichsweise moderat, das Unterhaltungsprogramm ein weiteres Verkaufsargument. Die Timeouts und Pausen werden mit Zuschauerspielen gefüllt, ständig röhrt Rockmusik. Jeder Touchdown von Tampa Bay Storm wird von einem kleinen Indoor-Feuerwerk gefeiert. Die Hauptaufgabe der Ersatz-Quarterbacks scheint es zu sein, Footbälle ins Publikum zu werfen – 50 bis 60 der Spielgeräte pro Match.

Die Zielgruppe sind vor allem Familien, unter den Zuschauern auffällig viele Kinder, deren an Computerspielen geschulte Aufmerksamkeitsspanne vom AFL-Football perfekt bedient wird. In einer kurzen Unterbrechung teilt AFL-Chef David Baker per Videobotschaft dem Publikum mit, dass sie „die besten Fans der Welt“ seien und einem Spiel der „fanfreundlichsten Liga der Welt“ beiwohnen.

Sein Konzept ist erfolgreich. Seit Baker 1996 die Leitung der Liga übernahm, ist sie von 14 auf 19 Teams gewachsen und der Wert einzelner Franchises auf angeblich 20 Millionen Dollars. Die AFL hat sich nach 20 Jahren etabliert und erreicht einen Zuschauerschnitt von mehr als 12.000. Prominente wie Rocksänger Jon Bon Jovi oder Country-Star Tim McGraw haben Teams erworben. Seit dieser Saison ist der Sportsender ESPN eingestiegen und überträgt regelmäßig. Auf dem Feld stehen vornehmlich Spieler, die den Sprung in die NFL knapp verpasst haben. Ein gesamtes Team verdient ungefähr genauso viel wie ein durchschnittlicher NFL-Profi, dafür übernimmt die Liga Unterkunft und Verpflegung.

THOMAS WINKLER