computerspiele

Frohsinn gegen den Verbotsstaat

Fritz Schramma beweist Mut und wagt sich in ein schwieriges Level der Politik vor. Der erfolgreiche Einsatz des Kölner CDU-Oberbürgermeisters für die Computerspiel-Weltmeisterschaft in der Domstadt verdient Anerkennung. Endlich betont ein konservativer Politiker mal nicht die Gefahren, Risiken und Nebenwirkungen von Spielen, sondern weist auf ihre pädagogische und wirtschaftliche Bedeutung hin. Manchmal passt wirklich beides zusammen: Computerspiele sind ein ökonomischer Faktor auch für Unternehmen aus NRW. Zudem führt die Daddelei auch nicht automatisch zu sozialer Isolation, Verwahrlosung und Gewaltbereitschaft. Vielmehr dienen Computerspiele der Zerstreuung – sie machen einfach nur Spaß. Ein Wort, das in der medialen Debatte in diesem Land auf dem Index zu stehen scheint.

KOMMENTAR VON MARTIN TEIGELER

Der Terror des Verbots muss gestoppt werden. Wenn in Deutschland irgendwer einen High Score holt, sitzt die halbe Nation neben der Spielkonsole und nimmt übel – oder worin liegt der Wahn des Untersagens begründet? Die Tendenz, Erscheinungen der Alltagskultur als „Schmutz und Schund“ zu verdammen, ist nicht neu. Vor allem konservative Politiker sind seit Jahrzehnten führend bei dieser Art der Verbotspolitik. Rechte CDUler aber auch Vertreter anderer Parteien sind leider immer schnell dabei, ein Verbot von Computerspielen, Sportwetten, Billigflügen, Glühbirnen oder Rapmusik zu fordern. Das ist dumm und billig.

Dass sich jetzt die Vernünftigen in der Union zu Wort melden, ist überfällig. Der besonnene CSU-Bundesverbraucherminister Horst Seehofer lehnt eine „Olympiade der Verbote“ ab – gemeint war die hirnamputierte neue Großdebatte um ein strengeres Verbot von Alkohol für Jugendliche. Auch Kölns Rathauschef Fritz Schramma liegt richtig, wenn er frohsinnig für eine „Verbesserung der Akzeptanz von Computerspielen“ eintritt. Rheinische Liberalität à la Schramma ist allemal besser als konservative Totalverbote.