Auf Pump gebaut

Nach der BG Karlsruhe ist mit Sellbytel Nürnberg binnen kurzer Zeit der zweite Klub der Basketball-Bundesliga in finanzielle Schieflage geraten. Die laufenden Kosten sind nur schwer zu decken

Die Reaktion auf den selbst angekündigten Abstieg aus der Basketball-Bundesliga war genau die erhoffte: Mit einer Mannschaft, die größtenteils aus bisherigen Reservisten bestand, hatte die BG Karlsruhe am Samstag gegen die Eisbären Bremerhaven gekämpft wie noch nie zuvor in dieser Saison. Dass die Badener am Ende doch wieder mit 63:75 verloren, lag hauptsächlich an den fehlenden Kräften im letzten Viertel. Die 19. Niederlage des Tabellenletzten hintereinander war der Beginn einer Abschiedstournee. Es ist der Versuch der Wiedergutmachung für alles, was bislang in dieser Saison schief gelaufen ist. „Wir haben die Orientierung verloren“, sagt Manager Matthias Dischler, „ab jetzt müssen wir uns bis zum Ende der Saison zu Tode sparen, um dann in der 2. Liga einen Neuanfang zu starten.“ Nur wenn alle Maßnahmen wie der Verzicht der gesamten Mannschaft auf ein Monatsgehalt, die Trennung von bisherigen Stammkräften und eine Kapitalerhöhung durch die Gesellschafter des Klubs in der erhofften Art greifen, können die Karlsruher die Saison zu Ende spielen.

Karlsruhe und Nürnberg stehen nicht allein da. In den vergangenen vier Jahren gab es bereits vier Insolvenzen in der Bundesliga

Sparzwang in der Basketball-Bundesliga (BBL) gibt es nicht exklusiv bei den Karlsruhern. Beim Vorletzten der Tabelle, Sellbytel Nürnberg, ist die sportliche Lage zwar noch nicht hoffnungslos, die finanzielle Situation dafür sogar noch prekärer. Am vergangenen Freitag ist die Mannschaft der EWE Baskets Oldenburg zum Auswärtsspiel nach Nürnberg losgefahren, ohne zu wissen, ob die Partie überhaupt stattfindet. Erst im letzten Moment haben die Nürnberger Verantwortlichen durch zusätzliche Sponsorengelder den Betrieb aufrechterhalten können – zumindest bis heute. Nun soll entschieden werden, ob die Sellbytel Baskets die Saison zu Ende spielen können. „Durch eine Riesenleistung und überwältigende Hilfe der Bestandssponsoren“, so Trainer Stephan Harlander, habe Nürnberg 80 Prozent der benötigten 200.000 Euro zusammen bekommen. Doch nur wenn die restlichen 40.000 Euro auch noch aufgetrieben werden, reist die Mannschaft am Sonntag zum Auswärtsspiel nach Köln.

Sollte Nürnberg den Spielbetrieb einstellen müssen, wären die Franken beileibe nicht die Ersten, die aufgeben müssten. Allein in den vergangenen vier Jahren gab es vier Insolvenzen in der BBL. Mit Brandt Hagen musste 2003 ein Traditionsteam aufgeben. Und auch aktuell sind einige weitere Klubs in finanzielle Schieflage geraten, auch wenn die Lücken dort allem Anschein nach geschlossen werden können. „Die Liga ist auf Pump gebaut“, sagt ein Funktionär eines BBL-Teams. Selbst die Brose Baskets Bamberg, der Deutsche Meister von 2005, hatten vor knapp einem Jahr finanzielle Schwierigkeiten, allerdings unverschuldet. Weil der damalige Hauptsponsor Nici Insolvenz beantragte, konnte der Plüschtierhersteller die letzte Rate der vereinbarten Summe nicht bezahlen.

Die Probleme an den Standorten Nürnberg und Karlsruhe sind vielschichtig, doch sie haben eine Gemeinsamkeit: Meist hängen sie mit mangelndem Zuschauerinteresse zusammen. Bedingt durch die Erfolglosigkeit des Klubs ist der ursprünglich kalkulierte Zuschauerschnitt von 3.500 Besuchern pro Partie in Karlsruhe bei weitem nicht erreicht worden. Für jedes Heimspiel fallen aber 15.000 Euro etwa für Hallenmiete, Parkettaufbau oder Verpflegung der VIP-Gäste an. Folge: Der Verein macht bei jeder Begegnung vor dem spärlichen Heimpublikum ein Minus.

In Nürnberg dürfte die Situation noch dramatischer sein: Die Hallenmiete ist höher als in Karlsruhe, und es finden sich im Schnitt gerade einmal 1.800 Zuschauer zu den Heimspielen ein. Dazu kommt, dass der erst vor ein paar Monaten als Geschäftsführer angestellte Reinhard Sinkel laut Vereinsangaben seinen Gesellschafteranteil von 100.000 Euro nicht bezahlt hat. Sinkel wurde auf Druck der Sponsoren deshalb schon wieder entlassen. Trainer Harlander hat kommissarisch die Aufgaben im Management übernommen. Ob dadurch das Sportliche in Nürnberg leidet oder ob die Spieler einfach nur frustriert sind, bleibt Gegenstand der Spekulation. Die finanziellen Schwierigkeiten scheinen den sportlichen Misserfolg jedenfalls nach sich zu ziehen. Nürnberg hatte beim 51:90 gegen Oldenburg nicht den Hauch einer Chance.