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Mitten ins Herz – Ein Song für dich

Ein vielfach bewährtes Rezept der Filmbranche besagt, dass Komödien immer dann besonders lustig werden, wenn sie Gegensätzliches als vereinbar darstellen. Die meisten Buddy-Filme sind nach diesem Prinzip gebastelt. Die Idee, ausgerechnet den stocksteifen Briten Hugh Grant als ausgemusterten Expopstar mit Föhnfrisur zu besetzen und ihn obendrein für den Soundtrack des Films tatsächlich selbst singen und Klavier spielen zu lassen, folgt recht erfolgreich derselben Linie.

Grant mimt die erfolglose Hälfte eines in den Achtzigerjahren ehemals angesagten Popduos (mit deutlichen „Wham!“-Referenzen), dessen anschließendes Soloalbum wie Blei in den Ladenregalen liegen blieb – und der heute sogar auf Auftritte auf Rummelplätzen und auf Jahrgangstreffen angewiesen ist, um über die Runden zu kommen. In engen weißen Jeans auf der Bühne mit einem nicht mehr ganz frischen Hüftschwung begeistert er zwar seine weiblichen Fans jenseits der Vierzig immer noch, aber sich selbst begeistert er nicht mehr.

Das Angebot, für den aktuellen Superstar am Pop-Firmament einen Song zu schreiben, ist für ihn die letzte Chance auf ein Comeback, hat jedoch einen Haken: Er hat in seiner Karriere niemals eine Zeile Text geschrieben.

Auftritt Drew Barrymore, die eigentlich nur für seine Pflanzen zuständig ist, aber mit einem überraschenden Talent als Songwriter aufwarten kann. Im Gegensatz zu Grant hat sie das Problem, dass sie auf spezielle Weise berühmter ist, als ihr lieb sein kann, und außerdem schlägt ihr Herz weniger für Popmusik als für hohe Literatur.

Als aus der Auftragsarbeit eine Herzensangelegenheit wird, beginnen die Probleme, es gibt jede Menge Missverständnisse, Zerwürfnisse, Versöhnungen, Witze über Hüftoperationen und am Ende, wer hätte es gedacht, ein Happy End für Hugh und Drew. Glücklicherweise bleibt „Mitten ins Herz – Ein Song für dich“ von Regisseur Marc Lawrence, bei aller Erfüllung der Genreregeln der romantic comedy, immer etwas weniger Romanze und etwas mehr Komödie. Das Musikvideo, das im Vorspann gezeigt wird, weckt tatsächlich nostalgische Erinnerungen an eine Zeit, in der scheußliche Sakkos mit Schulterpolstern als modisch gelten durften.

Hugh Grant ironisiert mal wieder sein Image als Frauenschwarm, und Drew Barrymore spielt das chaotisch-charmante Mädchen von nebenan mit den großen Augen. Alles in allem ist „Mitten ins Herz“ wie ein Popsong: Einfach gestrickt und in jeder Wendung vorhersehbar, unterhaltsam, während man ihm zuhört, und am nächsten Tag schon wieder vergessen, aber das macht auch den nicht uncharmanten Reiz des Ganzen aus.

DIETMAR KAMMERER

„Mitten ins Herz“. Regie: Marc Lawrence. Mit Drew Barrymore, Hugh Grant u. a., USA 2006, 104 Min.