MARTIN UNFRIED über ÖKOSEX

Mission 2012: So werden Sie Superclimax

Ökosex ist gegen ein Tempolimit. Und zwar beim Klimaschutz. Wollen Sie auch raus aus der fossilen Welt? Say yes!

Viele Leute sind mittlerweile schon ganz konfus von wegen Zeh-o-Zwei und der Rettung der Welt. Da haben sich ja in der letzten Zeit auch viele Klimaschutz-Witzbolde zu Wort gemeldet. Günter Verheugen beispielsweise. Er meint, wir sollten

1. nicht hysterisch werden,

2. weiter BMW fahren und

3. unser Kronjuwel, die Autoindustrie, nicht verteufeln. Ansonsten aber sollten wir den „Klimawandel an allen Fronten bekämpfen“ (Bild am Sonntag).

Bei allem Respekt für den wohl verdienenden EU-Kommissar. Ich habe meine Zweifel, ob wir mit dieser Einstellung den Krieg – um im Bilde zu bleiben – noch gewinnen können.

Was ist denn das Problem des BMW-Fahrers Verheugen? Die gute Verarbeitung. So ein BMW hält doch sicher mehr als 10 Jahre. Wir haben aber nur noch 13 Jahre, 11 Monate, 5 Tage und 33 Minuten Zeit, die Klimakatastrophe abzuwenden. Das stand im neuesten IPPC-Bericht. Dann ist nämlich Schicht. Finito. Schlussikowski! Deshalb hält Ökosex es für angebracht, dass wir auf die Tube drücken.

Ökosex ist gegen ein allgemeines Tempolimit beim Klimaschutz. Nein, wir müssen mit 250 km/h und 356 PS raus aus der fossilen Welt.

Das möchte ich auch Herrn Friedrich Küppersbusch zurufen, der in dieser Zeitung montags ansonsten sehr zur Erhellung beiträgt. Mensch, Küppersbusch. Verkaufen Sie Ihren Audi TT und kokettieren Sie nicht damit. Diese Zeitung wird auch von Kindern gelesen. Ein Audi TT ist eine intellektuelle Bankrotterklärung, insbesondere für einen Intellektuellen. Das gilt auch die Ausrede Midlifecrisis nicht.

Nun zum Wesentlichen: Was sollen wir tun?

Glühbirnen verbieten (Australier), nicht mehr so viel in Urlaub fliegen (Schnappauf, CSU) oder lieber Braunkohlekraftwerke planen und den Atomkonsens brechen (Vattenfall)?

Da stellen wir uns einfach mal ganz dumm und fragen: Wie geht das denn eigentlich, den Planeten retten? Dafür entspannen wir uns zunächst ein bisschen und atmen ganz ruhig ein und aus. Sind Sie entspannt?

ÖKOSEXJa oder nein? kolumne@taz.deMontag: Josef Winkler in der ZEITSCHLEIFE

Dann sprechen Sie mir nach: Ich muss nicht auf die Chinesen warten. No. Ich muss auch nicht warten, bis Sigmar Gabriel aus dem Audi steigt. No. Ich pfeife auf Vattenfall, Eon, RWE und EnBW. Yes. Ich bin stark. Ich bin eine Klimaschutzheldin. Ich bin Superclimax.

Ich werde in einem ersten Schritt meinen persönlichen Verbrauch an fossilen Brennstoffen bis ins Jahr 2008 halbieren. Yes! 50 % weniger CO2-Emissionen im Jahr 2008. Yes!

Sagen wir bis zum 31. Dezember 2008 um Mitternacht. Das sind beinah noch zwei Jahre Zeit. Geschenkt.

In einem zweiten Schritt werde ich bis zum Jahr 2012 in die CO2- Emissionslosigkeit, in die Klimaneutralität, eintauchen, ins Nirwana der solaren Effizienzrevolution. Klimaneutral bis 2012. Yes.

Das ist in sechs Jahren. Ich fange heute an. Jab.

Und in der Aktion, im Handeln, im praktischen Tun erklärt sich alles wie von selbst. Schuppen fallen von den Augen:

Schaffe ich mein Ziel mit fossil-atomarem Strom der oben genannten Stromkonzerne? Say no! Schaffe ich das mit meinen alten Glühbirnen? Say no.

Schaffe ich das mit einem fossilen Steinzeitauto? Say no!

Schaffe ich das mit meiner derzeitigen Heizung und ohne die Kraft der Sonne? Niemals!

Mit der derzeitigen Isolierung meiner Wohnung? Niemals!

Schaffe ich das ohne eigene Stromproduktion mit Photovoltaik und eigenem Blockheizkraftwerk?

No way.

The answer, my friend, is blowing in the wind, the answer ist blowing in the wind.

ÖKOSEX, der Song: Nach einer gestern in Stockholm veröffentlichten Meinungsumfrage sind trotz Fast-GAU in dem schwedischen Vattenfall-Atomkraftwerk Forsmark nur 17 Prozent für einen sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft, 43 Prozent für den weiteren Betrieb der bestehenden Reaktoren, 32 Prozent für den Ausbau der Atomkraft. Nicht nur für Schweden kostenlos zum Runterladen: „Wat’n Knall bei Vattenfall“, www.taz.de, Ressort taz zwei