„Die Produkte bestehen aus Müll“

Im Tierfutter stecken gammelnde Kadaver, warnt Buch-Autor Hans-Ulrich Grimm

taz: Herr Grimm, warum war für Masterfoods schon die Werbung für Ihr neues Buch zu viel?

Hans-Ulrich Grimm: Es geht dabei um die Tierkörperbeseitigungsanlagen. Masterfoods möchte nicht publiziert sehen, dass ihre Rohstoffe aus solchen Anlagen kommen.

Warum sind Masterfoods die Informationen so peinlich?

Wenn wir uns im Fernsehen ständig diese goldenen Schälchen anschauen, hat man den Eindruck, als bekämen unsere Kätzchen das feinste Gourmetfilet. Dass am Anfang der Produktkette tierische Kadaver stehen, wird verschwiegen. Das hat System, denn beim Discounter ist Fleisch teilweise billiger als das Tierfutter, das aus den Abfällen hergestellt wird. Dahinter steckt ein extrem profitables Geschäft.

Dass im Tierfutter Abfälle stecken, ist doch nicht neu.

HANS-ULRICH GRIMM, 51, war bis 1996 Redakteur beim Spiegel und arbeitet heute als Publizist in Stuttgart. Grimm hat mehrere kritische Bücher über die Lebensmittelwirtschaft geschrieben, etwa „Die Suppe lügt“ oder „Echt künstlich“. Sein neues Buch über Tierfutter sollte ursprünglich am 3. März erscheinen.

Das ist auch nichts Schlimmes und war schon immer so. Wenn das aber industriell stattfindet, dann beginnen die Fleischabfälle schon beim Transport zu verderben, bevor sie überhaupt verarbeitet werden. Ich habe mir die Fabriken in Belgien angeschaut. Die werden von den Einwohnern dort bezeichnenderweise nur als „Stinkefabriken“ bezeichnet. Damit die Abfälle haltbar bleiben, werden sie einfach mit Konservierungsstoffen behandelt. Weil die Tiere es sonst nicht anrühren würden, kommen noch Aromen, Geschmacksverstärker und Süßstoffe dazu. Davon erfahren Herrchen und Frauchen aber nichts, weil es nicht auf der Packung steht.

Das heißt, es wird systematisch verschwiegen?

Es darf gar nicht angegeben werden. Das hat mir das zuständige Ministerium bestätigt.

Bisher haben Sie vor allem Bücher über die menschliche Ernährung veröffentlicht. Warum schauen Sie jetzt auch in die Futtertröge?

Es gibt Verbindungen zwischen Menschen- und Tiernahrung, etwa durch Nutztiere. Dazu habe ich im Buch beschrieben, dass durch artwidrige Rinderhaltung bestimmte Arten von E-coli-Bakterien entstehen, die mehrmals bei Lidl vorgekommen sind. Daran können Kinder sterben. Wenn die Rinder Heu und Gras statt Kraftfutter bekämen, gäbe es keine Probleme.

Dann ist es wenig überraschend, dass Masterfoods empfindlich reagiert.

Überrascht hat mich die Verfügung nicht. Aber ich bleibe bei meinen Aussagen. Schließlich habe ich auch bei Masterfoods nachgefragt, ob die mit entsprechenden Firmen zusammenarbeiten. Das haben sie mir bestätigt, ich habe es geschrieben.

INTERVIEW: MORITZ SCHRÖDER