Verschiedene Verbände kritisieren den Entwurf für das Gendiagnostikgesetz: Die Regeln bei DNA-Tests diskriminierten Migranten.von CHRISTIAN RATH

Kritik von Verbänden: Manche Schutzbestimmungen des Gendiagnostikgesetzes sollen bei Abstammungsgutachten von Ausländern ausdrücklich nicht gelten. Bild: photocase/emma75
FREIBURG taz Ausländer sollen im geplanten Gendiagnostikgesetz nicht als "Menschen zweiter Klasse" behandelt werden. Das forderten gestern Pro Asyl, das Gen-Ethische Netzwerk und der Deutsche Anwaltverein in einer gemeinsamen Erklärung.
Das Gendiagnostikgesetz soll noch in diesem Jahr vom Bundestag beschlossen werden. Es sieht vor, dass jeder selbst über den Umgang mit seinen Erbinformationen bestimmen kann. So dürfen Arbeitgeber von ihren Beschäftigten oder von Stellenbewerbern keine Gentests verlangen, um zu sehen, ob diese zu bestimmten Krankheiten neigen. Bei bloßen Abstammungstests müssen alle Beteiligten zustimmen.
Die Regeln über Abstammungstests gelten grundsätzlich auch für Ausländer, die für ihre Angehörigen den Familiennachzug nach Deutschland beantragen. Sie können die Verwandtschaft mit Hilfe einer DNA-Analyse beweisen. Wie bisher soll dies auch in Zukunft freiwillig sein. Allerdings ist diese Freiwilligkeit in der Praxis begrenzt, weil das Auswärtige Amt bei rund 40 Ländern, zum Beispiel Afghanistan und Birma, die Echtheit offizieller Urkunden bezweifelt und der DNA-Test dann oft der einzige von den Behörden anerkannte Verwandtschaftsnachweis ist.
Die drei Verbände kritisieren nun, dass bei solchen Abstammungsgutachten von Ausländern manche Schutzbestimmungen des Gendiagnostikgesetzes ausdrücklich nicht gelten sollen. So ist nicht vorgeschrieben, dass die Tests von einem Arzt oder Sachverständigen vorgenommen werden müssen, auch eine Aufklärung über gesundheitliche Risiken wird nicht verlangt. Außerdem können die Daten auch für Strafverfahren benutzt werden. Dadurch würden Migranten "massiv diskriminiert", rügen die Verbände.
Die Bundesregierung hält die medizinische Aufklärung vor dem Test für verzichtbar, weil bei der Entnahme einer Speichelprobe aus dem Mund keine gesundheitlichen Risiken bestehen. Pro-Asyl-Expertin Marei Pelzer gibt jedoch zu bedenken, dass das Ergebnis eines Abstammungstest auch erhebliche psychische Risiken mit sich bringt. "Wer als sozialer Vater eines Kindes bisher immer geglaubt hat, dass er auch der biologische Vater ist, für den kann bei einem negativen Testergebnis eine Welt zusammenbrechen", so Pelzer. Es sei traurig, dass solche sonst stets berücksichtigten Aspekte dann keine Rolle spielen, wenn es um Ausländer gehe.
Auch die Verwendung der so gewonnenen DNA-Profile in Strafverfahren hält Pelzer für problematisch. Diese Regelung könne Ausländerbehörden darin bestärken, im Falle eines negativen Testergebnisses ein Strafverfahren wegen Betrugs einzuleiten. Dabei sei dies aber nicht nur stigmatisierend, sondern auch sinnlos. "Wer sich sicher ist, dass keine genetische Abstammung besteht, wird schon gar keiner genetischen Untersuchung zustimmen", sagt Pro-Asyl-Expertin Pelzer. "Ein negativer Ausgang des Tests dürfte für die Betroffenen also stets überraschend kommen, weshalb schon gar kein Betrugsvorsatz vorliegen kann."
Das Amtsgericht Dresden hat erklärt, dass die Abfrage von mehr als einer Millionenen Handydaten während Anti-Nazi-Demos erlaubt war. Zweifel bleiben angebracht. von Paul Wrusch

Ahmed Schafik und Mohammed Mursi haben die erste Wahlrunde beinahe gleichauf gewonnen und rüsten sich für die Stichwahl. Die Muslimbrüderschaft hofiert die ausgeschiedenen Kandidaten.

Im Schwerpunkt Überwachung legen wir ein besonderes Augenmerk auf die neuesten Auswüchse der Sammelwut und Kontrollgelüste von Staatsgewalt wie Konzernen. Und natürlich auf Datenpannen aller Art.
Foto: time. / photocase.com
Starre Rituale, öde Debatten, ein Haus der Langeweile? Nicht in der Ukraine! Hier werden Parlamentsdebatten noch mit Leidenschaft, Herzblut und handfesten Argumenten geführt!

Echte Stars, begeisterte Fans, prima Shopping-Tipps - wir freuen uns auf die Fußball-Europameisterschaft.

Weltraumtouristen, Satelliten und Versorgungsflüge zur ISS – die Raumfahrt wird privatisiert und kommerzialisiert.

Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
04.04.2011 19:07 | B P
"Wer sich sicher ist, dass keine genetische Abstammung besteht, wird schon gar keiner genetischen Untersuchung zustimmen"," ...
04.04.2011 19:07 | antifaunited
Irgendwie kommt mir das bekannt vor, gabs auch schon mal, wie so vieles.. ...
11.02.2011 17:50 | antifaunited
Irgendwie kommt mir das bekannt vor, gabs auch schon mal, wie so vieles.. ...