• 07.03.2009

Internetradio für Hardcore-Fans

Fußball jede Viertelstunde

Auspacken, einstellen, dabei sein. Für wahre Fans gibt es jetzt einen speziellen Kicksportempfänger. Neben purem Fußballhörfunk empfängt er auch fast alle übrigen Internetradios.von DIETER GRÖNLING

Wenn die Radionachrichten schon alle Viertelstunde kommen, muss ganz schön was los sein in der Welt. Einige Infosender machen's alle halbe Stunde, aber im Viertelstundentakt - das ist neu. Die Weltkrise kommt nicht vor, keine schrecklichen Unglücke und auch kein Krieg. Bei 90elf geht es um das Wichtigste überhaupt: Fußball. (30 Jahre Kerker für den, der diesen Sport zur "Nebensache" erklärt hat.) Da ist der kurze Abstand zwischen den Nachrichten schon angemessen - schließlich will man wissen, welcher Spieler sich wo verletzt hat und wie schlimm das ist, welcher Trainer gerade trotz guter Gründe immer noch nicht entlassen wird, wer wie lange rotgesperrt und welcher Verein diesmal für die fortgeschrittene Dummheit seiner Fans eine hohe Geldstrafe an den DFB zahlen muss.

Und wenn Spieltag ist, werden alle Spiele in voller Länge live übertragen. Die der ersten Liga und auch die der zweiten. Einzeln auf getrennten Kanälen oder in der Konferenz. Das ist kein Premiere-Radio und schon gar nicht der öffentlich-rechtliche Geriatriefunk. 90elf, ein Sender der ansonsten auf Dudelfunk ausgerichteten Regiocast-Gruppe, hat sich auf Fußball spezialisiert (die taz berichtete) - eingebettet in ein "männeraffines" Musikprogramm. Gesendet wird nicht per UKW, sondern übers Internet. Dazu passend gibt es nun das Noxon 90elf, einen Internet-Empfänger des Herstellers Terratec, bei dem die Stationstasten bereits vorbelegt sind. Das sieht aus wie ein Küchenradio, wie man es vom Discounter kennt. Der Unterschied: Die kleine Antenne an der Rückseite empfängt nicht UKW, sondern die Signale des drahtlosen Internet-Routers. Der Rechner muss dazu noch nicht einmal angeschaltet sein.

Das Radio ist schnell eingerichtet, ein "Netzwerkassistent" auf dem Display hilft dabei. Dann kann's auch schon losgehen, und weil die Tabelle derzeit etwas aus den gewohnten Fugen geraten ist, fordert Franz Beckenbauer unverzüglich eine Gewinnserie: "Man sieht, dass die Bundesliga nicht geordnet ist." Nur weil die Bayern nicht an der Spitze sind?

Das Gerät ist das schönste Spielzeug überhaupt für einen Fußballfan, neben den 90elf-Kanälen gibt es mehr als 11.000 Stationen aus aller Welt, viele sind reine Internet-Sender. Reggaeton aus Kuba, die neuesten Hits aus Dubai, den Wetterbericht für die Antarktis. Auch der Sender der armenischen Hauptstadt Eriwan macht ein gutes Programm - dagegen klingen die Analysen des unvermeidlichen "Spezialisten" Peter Neururer und das "Wort zum Spieltag" von Fredi Bobic ziemlich banal. Aber ein kleiner Internetsender kann sich so hochbezahlte Schwätzer wie Günter Netzer einfach nicht leisten.

Selbstverständlich kann man die Stationstasten auch mit etwas anderem als Fußball belegen. Aber wer löscht schon den Fußballsender aus einem Fußballradio? Auf dem Werbeplakat zum Noxon-Empfänger macht Mönchengladbachs alter Alt-Internationaler Oliver Neuville ein Gesicht, als könne er damit überhaupt nichts anfangen. Vielleicht sollte er es einfach mal ausprobieren.

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