Gewerkschaften und Attac streiten um Führung

Wer am meisten kritisiert, gewinnt

Zwischen den Gewerkschaften und Attac schwelt ein Konflikt darüber, wer den Protest anführen soll. Auf dem Attac-Kongress bemühten sich beide Seiten um versöhnliche Worte.

Finden die Gewerkschaften und Attac nicht wieder zu einem gemeinsamen Protest zusammen, sind zukünftige Großveranstaltungen unwahrscheinlich.   Bild: dpa

BERLIN taz Ausgerechnet ein Spitzenfunktionär der IG Metall erntete auf dem Kapitalismuskongress von Attac den meisten Applaus. "Wir dürfen uns die alten Spielchen nicht leisten nach dem Motto: Ruft ihr nicht zu meiner Demo auf, kommen wir nicht zu eurer", rief Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, den mehr als 2.500 Globalisierungskritikern beim Abschlussplenum entgegen. Er machte den ersten Schritt: "Ich rufe hiermit alle Kolleginnen und Kollegen dazu auf: Beteiligt euch am 28. März an der beeindruckenden Demo gegen den Kapitalismus." Umgekehrt, forderte der Gewerkschaftsführer, solle sich auch Attac am europaweiten Aktionstag der Gewerkschaften am 16. Mai beteiligen. "Wir brauchen euch!"

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Damit dürfte der seit Wochen schwelende Konflikt zwischen der Führung der großen Gewerkschaften und den GlobalisierungskritikerInnen um Attac beigelegt sein. Anfang des Jahres hatte sich Attac zusammen mit einzelnen lokalen Gewerkschaftern um den Stuttgarter Ver.di-Geschäftsführer Bernd Riexinger darauf geeinigt, am 28. März für Großdemonstrationen nach Frankfurt am Main und Berlin zu mobilisieren. Das Motto: "Wir zahlen nicht für eure Krise! Anfang April nämlich findet in London der Weltfinanzgipfel der G-20-Staaten statt, weshalb auch das Weltsozialforum für den 28. März zu einem weltweiten Aktionstag aufruft.

Doch die Gewerkschaftsspitzen machten nicht mit. Nach einem Beschluss des Europäischen Gewerkschaftsbundes hatten sie sich darauf geeinigt, erst am 16. Mai im Anschluss an einen gewerkschaftseigenen Kapitalismuskongress in Berlin auf die Straße zu gehen. Kritiker vermuten, dass sich die Führung des DGB, der IG Metall und von Ver.di wenige Monate vor den Bundestagswahlen nicht zu sehr der harschen Kritik der sozialen Bewegungen an der SPD anschließen wollten.

Noch bei der Auftaktveranstaltung am Freitagabend versicherte der Ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske zwar, dass er persönlich kommen werde, mehr aber auch nicht. "Wir sehen uns nicht in der Lage, innerhalb von sechs Wochen zu zwei zentralen Demonstrationen zu mobilisieren", rechtfertigte er sich. Daraufhin wurde er vom Publikum ausgepfiffen.

Der Basisgewerkschafter Riexinger begrüßte den Aufruf aus dem IG-Metall-Vorstand. Dies sei aber nicht mehr als ein "Signal". Denn Attac hofft vor allem auf logistische Unterstützung. Die Demonstrationen gegen Sozialabbau der vergangenen Jahre waren vor allem dann groß, wenn die Gewerkschaftsspitze bundesweit Busse organisierte. Und zumindest bisher gibt es keine Anzeichen dafür, dass dies auch zum 28. März geschehen wird. Und dennoch sei Urbans Aufruf sehr wichtig, sagte Riexinger. Er erlebe, dass zahlreiche Basisgruppen der Gewerkschaften auf eigene Faust aktiv geworden sind und Busse für die Demos Ende März organisieren. Nach Urbans Aufruf würden nun auch die letzten zögerlichen Bezirksverbände mitmachen.

 

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