Vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung (AK Vorrat) spaltet sich ein Aktionsbündnis ab - wegen Streitigkeiten unter den Aktivisten. Der Newcomer stiftet Verwirrung.von CHRISTIAN RATH

"Freiheit statt Angst" heisst der neue AK - genauso wie die Großdemo, die der AK Vorrat im letzten Jahr organisierte. Bild: dpa
FREIBURG taz Der bisher so erfolgreiche Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung (AK Vorrat) hat sich faktisch gespalten. Einer der Hauptaktivisten, Ricardo-Cristof Remmert-Fontes, hat sich mit einem bisher noch kleinen Aktionsbündnis Freiheit statt Angst (Aktion FSA) selbständig gemacht und sorgt unter Bürgerrechtlern für ziemliche Verwirrung.
Der AK Vorrat wurde 2006 gegründet, um die Vorratsdatenspeicherung aller Telefon- und Internet-Verbindungsdaten zu verhindern. Das Gesetz trat zwar Anfang 2008 in Kraft, doch in Karlsruhe ist noch die vom AK Vorrat initiierte Verfassungsbeschwerde anhängig, die von rund 34.000 Menschen getragen wird.
Der 31-jährige Soziologe Remmert-Fontes hat in den letzten achtzehn Monaten - ohne Bezahlung - seine ganze Arbeitskraft in den AK Vorrat gesteckt. Dementsprechend prägend war er für den losen Zusammenschluss von Bürgerrechtlern und Datenschützern.
Schon lange werfen ihm aber viele Mitstreiter auch Profilierungssucht und Eigenmächtigkeiten vor. Remmert-Fontes räumt ein, dass er häufig ohne Absprache gehandelt hat. "Wenn monatelang ergebnislos diskutiert wird, dann bin ich oft einfach nach außen gegangen und habe zum Beispiel einen Aktionstag ausgerufen", sagte er gestern zur taz. Der Erfolg des AK Vorrat habe seine unkonventionellen Methoden rechtfertigt.
Auf Dauer ging das aber nicht gut. Im November wurde Remmert-Fontes von seinen Kollegen nahegelegt, nicht mehr für den AK Vorrat zu sprechen. Der Aktivist reagierte auf seine Art und gründete eigene Vereine. In Berlin entstand ein "Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung Berlin e. V.", so dass es nun zwei Berliner Ortsgruppen gibt. Und auf Bundesebene rief er das Aktionsbündnis Freiheit statt Angst ins Leben. Remmert-Fontes findet seine Gründungen konsequent, denn schon immer hatte er die nach seiner Ansicht "undemokratischen und intransparenten" Strukturen des AK Vorrat kritisiert, der nicht einmal ein eigenes Konto habe.
Für den AK Vorrat ist die Situation brenzlig. Zum einen sorgt Remmert-Fontes für Namensverwirrung, denn "Freiheit statt Angst" war immer das Motto der AK-Demos. Außerdem ist die Planung einer Großdemo vor der Bundestagswahl in Gefahr, da Remmert-Fontes Aktionsbündnis alle in Frage kommenden Tage und Routen bereits für sich angemeldet hat.
Der im AK Vorrat aktive Blogger Markus Beckedahl (netzpolitik.org) hat den Konflikt jetzt öffentlich gemacht, auch um weitere Missverständnisse in der Öffentlichkeit zu verhindern. Denn weithin wird Remmert-Fontes immer noch als Vertreter des AK Vorrat angesehen. "Wir haben monatelang versucht, Brücken zu bauen, aber Ricardo-Cristof ist inzwischen völlig verblendet", sagte Beckedahl zur taz.
Remmert-Fontes aber hat Großes vor: Bald soll das Aktionsbündnis zwei bis drei hauptamtliche Kräfte finanzieren, natürlich auch ihn. Der geplante Jahresetat für 2009 beträgt rund 180.000 Euro. Doch bisher sind erst ganze 275 Euro an Spenden eingegangen. Das Bündnis besteht bisher im Wesentlichen aus Remmert-Fontes, seinem Kollegen Lotar Küpper und einer Handvoll Unterstützer.
Das Amtsgericht Dresden hat erklärt, dass die Abfrage von mehr als einer Millionenen Handydaten während Anti-Nazi-Demos erlaubt war. Zweifel bleiben angebracht. von Paul Wrusch

Ahmed Schafik und Mohammed Mursi haben die erste Wahlrunde beinahe gleichauf gewonnen und rüsten sich für die Stichwahl. Die Muslimbrüderschaft hofiert die ausgeschiedenen Kandidaten.

Im Schwerpunkt Überwachung legen wir ein besonderes Augenmerk auf die neuesten Auswüchse der Sammelwut und Kontrollgelüste von Staatsgewalt wie Konzernen. Und natürlich auf Datenpannen aller Art.
Foto: time. / photocase.com
Starre Rituale, öde Debatten, ein Haus der Langeweile? Nicht in der Ukraine! Hier werden Parlamentsdebatten noch mit Leidenschaft, Herzblut und handfesten Argumenten geführt!

Echte Stars, begeisterte Fans, prima Shopping-Tipps - wir freuen uns auf die Fußball-Europameisterschaft.

Weltraumtouristen, Satelliten und Versorgungsflüge zur ISS – die Raumfahrt wird privatisiert und kommerzialisiert.

Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
02.04.2009 00:51 | andre
Der Ricardo hat ein Recht seine eigene Organistion aufzubauen um die Debatte voran zu treiben. Das finde ich ausserordentli ...
14.03.2009 07:53 | kulturarbeiter
Der AK hat definitiv Strukturprobleme und dies auch selbst erkannt. Das hierbei, das zeigt die Entwicklung verschiedener po ...
11.03.2009 18:40 | Rainer
Scheinbar weiss der Redakteur nicht, dass Ricardo Cristof kein Newcomer sondern ein Mitbegründer des AK Vorrat ist. Er hat ...