Solidarität rettet den Büchertisch

Ein Brand im „Berliner Büchertisch“ zerstörte Bücher im Wert von 100.000 Euro. Doch nur wenige Wochen später eröffneten die Mitarbeiter den gemeinnützige Laden wieder. Morgen lesen hier Wladimir Kaminer und Helmut Höge

Noch vor kurzem sah es finster aus für den „Berliner Büchertisch“: Nach einem Brand am 23. September 2006 waren der Laden und das Lager im Mehringdamm 51 von verkohlten Büchern übersät, die Wände und Regale vom Ruß geschwärzt. Noch Wochen danach lag ein beißender Gestank in der Luft. 23.000 Bücher im Wert von etwa 100.000 Euro fielen dem Brand zum Opfer. Innerhalb weniger Wochen haben es die Mitarbeiter geschafft, den Laden zu sanieren und wiederzueröffnen. „Wir haben inzwischen die gleiche Anzahl an Büchern im Laden wie vor dem Brand“, freut sich Ana Lichtwer.

Sie hatte den Büchertisch vor drei Jahren ins Leben gerufen – einen gemeinnützigen Verein, der Lektüren aller Art umsonst aus Privathaushalten abholt und manche davon in Kommission nimmt. Andere Leute bringen ihre Bücher direkt vorbei oder werfen sie in eine der öffentlichen Bücherkisten, die im Kreuzberger Rathaus oder im Nachbarschaftshaus in der Urbanstraße aufgestellt sind.

Seit dem Brand im September sind 14.000 Bücher gespendet worden

20 Mitarbeiter säubern, sortieren und archivieren den Lesestoff. Der Verein finanziert sich selbst, indem er etwa zehn Prozent der Schmöker weiter verkauft. Die meisten Bücher werden allerdings verschenkt – etwa an Schulklassen, aber auch an Einrichtungen wie Schul- und Gefängnisbibliotheken. Darüber hinaus ist man am Tauschring beteiligt, vermittelt und organisiert Lesungen für Autoren und beschäftigt vier 1-Euro-Jobber. Mitmachen kann jeder: „Unsere Mitarbeiter sind einfach hier vorbeigekommen. Wenn die Chemie stimmt, arbeiten wir länger zusammen“, erklärt Ana Lichtwer. So einfach kann das sein.

Die Brandsanierung hingegen war kein leichtes Unterfangen. Extra aus Frankfurt am Main reiste eine Spezialfirma an, um die Schäden zu beseitigen. Geht man heute durch die Räumlichkeiten, kann man sich das Horrorszenario vom Herbst nicht mehr vorstellen. Die Wände sind wie zuvor in fröhlichem Gelb gestrichen, die Regale gut gefüllt mit frischen Büchern. Im hinteren Bereich wirkt das Ambiente noch ein bisschen provisorisch: Hier türmen sich die Bananenkisten mit stapelweise Nachschub. Kaum zu glauben: 14.000 Bücher sind seitdem gespendet worden.

Wie das geklappt hat? „Es hat sich einfach herumgesprochen, erzählt die 40-jährige Initiatorin des Projekts. Drei Zeitungen haben zwar berichtet, aber ein öffentlicher Aufruf zum solidarischen Bücherspenden wurde nicht gestartet. „Werbung haben wir keine gemacht. Unsere Mitarbeiter und Bekannten haben uns da sehr weitergeholfen“, berichtet sie. Auch benachbarte Institutionen halfen mit: Die Gemeinde der Heilig-Kreuz-Passionskirche stellte ein großes Zelt. Darin konnte der Betrieb bereits eine Woche nach dem Feuer im Hinterhof weiterlaufen. Die Johanniter spendeten Mobiliar und gebrauchte Computer.

Woher der Brand rührt, konnte noch nicht ermittelt werden. Seit Anfang Dezember läuft der Betrieb wieder planmäßig in den angestammten Räumen. Als besonderes Dankeschön für die vielen freiwilligen Helfer und alle Interessierten werden am 14. Februar ab 19 Uhr Wladimir Kaminer und Helmut Höge auf einer Benefizveranstaltung lesen und Dias zeigen. Vielleicht holen sie ja dafür am Valentinstag ihr Buch „Helden des Alltags“ aus dem Schrank. Ein Titel, der wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge zu dem Verein und den Ereignissen nach dem Feuer passt.

Beide Vorleser verbindet auch ein persönlicher Draht mit dem Büchertisch: Während der populäre Berliner Russe schon vor Jahren zu den ersten Spendern zählte, ist taz-Autor Helmut Höge Stammkunde am Mehringdamm. Die Einnahmen sollen in ein neues Regal investiert werden. Lutz Steinbrück

Benefizlesung: Wladimir Kaminer und Helmut Höge mit Dia-Vortrag am 14. 2., Berliner Büchertisch e.V., Mehringdamm 51, Beginn: 19 Uhr