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Aufgesetzter Kopfschuss

Bastian B. tötete sich selbst. Waffen für den Amoklauf in der Schule in Emsdetten kaufte er im Internet

EMSDETTEN taz ■ Am Körper befestigter Sprengstoff verhinderte bis gestern Morgen die Obduktion des Amokläufers in der Emsdettener Geschwister-Scholl-Schule. Erst nachdem der letzte Zünder entschärft war, gab die Polizei die Todesursache von Bastian B. bekannt: Ein aufgesetzter Kopfschuss mit dem abgesägten Gewehr.

Erste Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergaben, dass er sich diese Waffen zusammen mit einer Pistole und einem weiteren Gewehr im Internet gekauft hat. Die eingesetzten Rauchbomben wurden als Bundeswehrbestand identifiziert, während die Sprengladungen selbst gebastelt wurden. Insgesamt 37 Personen wurden verletzt, der Großteil allerdings nur leicht durch die Rauchbomben. Vier Jugendliche und der Hausmeister erlitten Schussverletzungen, wovon zwei zwar schwer, aber nicht lebensgefährlich sind. „Wir haben aus Erfurt gelernt“, sagte Einsatzleiter Hans Volkmann. Durch das offensive Eingreifen der örtlichen Streifenpolizisten bereits fünf Minuten nach dem Notruf sei Bastian B. zum Ausweichen auf höhere Stockwerke gezwungen worden.

Zu den Motiven B.s wurde wenig Neues bekannt. Im Fokus bleibt erst einmal die Vorliebe des 18-jährigen Täters für Computer-Ballerspiele und Gotcha-Gefechte in Wäldern. Für die Farbkugelgewehre hatte er auch einen sogenannten „kleinen Waffenschein“. Einer der „Spielkameraden“ von Bastian B., der in einem Internetvideo posierte, hat sich mittlerweile der Polizei gestellt. Angesichts der bisherigen Untersuchungsergebnisse geht Einsatzleiter Hans Volkmann weiterhin von einem Einzeltäter ohne Mitwisser aus. RALF GÖTZE

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