Wohnen für Azubis

UNTERSTÜTZUNG Die hohen Hamburger Mieten sind für viele Lehrlinge von außerhalb ein Problem. Ein „Azubiwerk“ soll Abhilfe schaffen – ein Wohnheim ist bereits in Planung

VON LEA BAUMEYER

Jedes Jahr ziehen rund 6.000 junge Menschen für ihre Ausbildung nach Hamburg. Und stehen vor einem Problem: Sie brauchen eine Unterkunft. Doch mit einem durchschnittlichen Bruttolohn von 688 Euro haben sie auf dem großstädtischen Wohnungsmarkt wenig Chancen. Vor allem Minderjährige erhalten überwiegend Absagen. Der Status „Azubi“ vermittelt keine Sicherheiten, Vermieter sind eher abgeschreckt.

Studierende können in einer solchen Situation das Studentenwerk aufsuchen. Ein vergleichbares Angebot für Auszubildende gibt es bisher in Hamburg nicht –doch das soll sich ändern. Der Hamburger Verein „Ausbildungsstart“, der seit 2008 die Gründung eines „Azubiwerks“ plant, verhandelt derzeit über den Kauf eines Grundstücks für den Bau eines Wohnheimes mit 500 Plätzen. 2012 sollen die ersten Azubis einziehen.

Die Mieten der zwölf Quadratmeter großen Zimmer würden durch das Bruttogehalt der Bewohner definiert, sagt Olaf Schwede, SPD-Mitglied und Landesjugendsekretär des DGB, der den Verein Ausbildungsstart gegründet hat. Die Belastung solle 30 Prozent des Einkommens nicht übersteigen.

Bad und Küche sollen gemeinschaftlich genutzt werden, sodass Kontakte leichter geknüpft werden können. Wichtig sei, dass pädagogische Unterstützung angeboten und die Vernetzung der Auszubildenden gefördert werde, sagt Schwede. Wenn es Probleme in der Ausbildung gibt, sollen Ansprechpartner des Azubiwerks zur Verfügung stehen. Im Vergleich zu Studierenden seien Auszubildende häufig jünger und oft das erste Mal auf sich allein gestellt.

Schon 2009 plante Schwedes Verein ein 37 Millionen Euro teures Wohnheim in Rothenburgsort. Das Haus sollte Anfang 2011 fertiggestellt werden. Wegen baulicher Hindernisse konnte das Projekt jedoch an dem Standort nicht realisiert werden. In den nächsten Monaten sollen die Verhandlungen um ein neues Grundstück beendet sein. Wo genau das Wohnheim entsteht, ist noch unklar, die zentrale Lage ist aber ein wichtiges Auswahlkriterium.

Schwede betont, dass das Wohnheim-Projekt erst der Anfang sei. „500 Plätze sind ein guter Start, aber es müssen weitere folgen. Der Bedarf ist groß.“ An der Wohnungsfrage könnte mancher Bewerber aus dem Umland scheitern. „Wenn die Eltern einen nicht finanziell unterstützen können, stellt sich schnell die Frage, ob es möglich ist, die Ausbildung in Hamburg zu beginnen“, so Schwede.

Finanziert wird das Wohnheim durch den Verein Ausbildungsstart und Investoren aus der Stadt. Von politischer Seite gibt es Zustimmung. Der künftige SPD-Bürgermeister Olaf Scholz nannte den Wohnheimbau ein „dringendes Anliegen“. Auch Frank Glücklich, Geschäftsführer der Handwerkskammer Hamburg, betont die Dringlichkeit des Projekts: „Jeder dritte Lehrling im Hamburger Handwerk stammt aus dem Umland. Darum ist es wichtig, attraktive Wohnbedingungen für diese jungen Leute zu schaffen.“

Neben Bremen ist Hamburg das einzige Bundesland, in dem es noch keine speziellen Wohnmöglichkeiten für Auszubildende gibt. Allein in Niedersachsen existieren mindestens 25 Wohnanlagen. „Die meisten Häuser sind nach dem zweiten Weltkrieg aufgrund der Flüchtlingswellen entstanden“, berichtet Andreas Finke von „Projekt Jugend Wohnen“, einer Plattform, welche Jugendwohnheime in Deutschland registriert.

Finanziert werden die meisten Häuser durch gemeinnützige und kirchliche Träger. Viele müssten allerdings in den nächsten Jahren schließen. Es gebe einen hohen Sanierungsbedarf, mit dem die Träger finanziell überfordert seien, sagt Finke. Dabei seien bezahlbare Zimmer in Wohnheimen für auszubildende unverzichtbar: „Eine Menge ehemaliger Azubis hat mir gesagt, ohne die Jugendwohnheime hätten sie die Ausbildung nie geschafft.“

Infos: www.azubiwerk.de und www.auswaerts-zuhause.de