Die Hochwasserkatastrophe in Jakarta ist menschengemacht

Pingpongspiel der Schuldzuweisungen

„Ooops, we did it again“, so titelte gestern eine große indonesische Tageszeitung in Hinblick auf die Überflutung der Hauptstadt Jakarta. Die 12 Millionen Einwohner der indonesischen Kapitale sind es zwar gewohnt, dass ihnen in der Regenzeit das Wasser schon mal über die Türschwelle schwappt. In diesem Jahr sind die Folgen jedoch besonders verheerend: 29 Todesopfer wurden bereits gezählt, mehr als 300.000 sind obdachlos.

Schon vor fünf Jahren hatten tagelange Überschwemmungen mehrere Dutzend Tote gefordert. Jakartas umstrittenen Gouverneur Sutiyoso bewog dies zu der Aussage, man habe es hier offenbar mit einem Naturphänomen zu tun, das alle fünf Jahre wiederkehre. Doch das soll nur von seinem eigenen Versagen ablenken.

Denn die aktuelle Flutkatastrophe in Indonesien geht beileibe nicht nur auf natürliche Ursachen zurück. So schreitet die Rodung der indonesischen Regenwälder – auch dank ungebremster Nachfrage aus dem Westen – weiter voran. Seit Jahren warnen Umweltschützer vor den Konsequenzen; erst im Dezember fielen in Sumatra über 100 Menschen Überschwemmungen und Erdrutschen zum Opfer.

Doch die Einsicht in das Ausmaß der menschengemachten Umweltzerstörung ist begrenzt, die indonesischen Behörden beschränken sich meist auf allgemeine Betroffenheitserklärungen. So erleben Jakartas Bewohner auch in diesem Jahr wieder ein bizarres Pingpongspiel der Schuldzuweisungen.

Umweltschützer kreiden dem Gouverneur der Hauptstadt an, dass die Korruption im Bausektor immer neue Shoppingcenter und Appartement-Komplexe gebiert – auf Flächen, die eigentlich als Wasserreservoirs dem Schutz der Allgemeinheit dienen sollten. Jakartas Regierung wiederum moniert, dass der Bau spezieller Kanalsysteme zur Ableitung des Regenwassers am Widerstand der Bewohner gegen eine Umsiedlung gescheitert sei. Einen vernünftigen Rahmenplan zur Flutprävention lässt sie selbst allerdings seit Jahren vermissen. Unwahrscheinlich, dass selbst ein Machtwort des indonesischen Präsidenten an dieser Katastrophe etwas ändern wird. ANETT KELLER