Ausschreitungen im Nordwesten Chinas

Mönche greifen Polizeistation an

Die Festnahme eines Tibet-Aktivisten hat den Sturm hunderter Menschen auf eine Wache im Nordwesten Chinas ausgelöst. Die Polizei nahm daraufhin 93 Mönche in Haft. Der Aktivist beging Selbstmord.

Tibetische Mönche an einem Gebetstreffen im Kapan Kloster im nepalesischen Kathmandu während des 'Cho nga Chodpa', dem "Tag des Wunders".  Bild:  dpa

PEKING afp Nach einem Angriff auf eine Polizeiwache in einem von vielen Tibetern bewohnten Gebiet im Nordwesten Chinas hat die chinesische Polizei fast hundert Mönche festgenommen. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag berichtete, wurden bei den Ausschreitungen mehrere Menschen leicht verletzt. Hintergrund des Angriffs waren offenbar Gerüchte über die Festnahme eines Tibet-Aktivisten und sein anschließendes Verschwinden.

Die Polizeiwache in der Provinz Qinghai wurde laut Xinhua am Samstag von mehreren hundert Menschen attackiert. Die Demonstranten sollen Polizisten und Behördenmitarbeiter angegriffen haben, dabei sollen einige von ihnen leicht verletzt worden sein. Sechs Demonstranten wurden festgenommen, 89 stellten sich laut Xinhua selbst der Polizei. Bei den 95 Inhaftierten handelte es sich bis auf zwei Männer um Mönche aus dem nahe gelegenen Kloster Rabgya.

Wie Xinhua unter Berufung auf die Polizei und einen Augenzeugen berichtete, war zuvor ein mutmaßlicher Tibet-Aktivist festgenommen worden. Er sei aber am Samstag aus der Polizeiwache geflohen und durch den Gelben Fluss geschwommen. Wie eine Anwohnerin sagte, handelte es sich bei dem Mann um einen Mönch. Er habe sich in dem Fluss das Leben genommen.

Der von der Regierung in Peking eingesetzte Panchen Lama, der zweitmächtigste tibetische Geistliche nach dem Dalai Lama, rief die Tibeter unterdessen dazu auf, die Kommunistische Partei zu unterstützen.

Die Lage in Tibet und in anderen tibetisch geprägten Gebieten Chinas ist derzeit angespannt. Am 10. März hatte sich die Niederschlagung des antichinesischen Aufstands in Tibet zum 50. Mal gejährt, in dessen Folge der Dalai Lama, das geistliche Oberhaupt der Tibeter, ins indische Exil geflohen war. Die chinesische Armee hatte die Himalaya-Provinz in den 50er Jahren besetzt.

Peking will den kommenden Samstag als Feiertag der Befreiung von der Leibeigenschaft in Tibet vor 50 Jahren begehen. Am 28. März 1959 seien die tibetischen Leibeigenen und Sklaven, die damals mehr als 90 Prozent der regionalen Bevölkerung ausgemacht hätten, nach der Niederschlagung einer bewaffneten Rebellion von Anhängern des Dalai Lama und seiner Unterstützer befreit worden, heißt es zur offiziellen Begründung.

Am 10. März des vergangenen Jahres hatten Exiltibeter im indischen Dharamsala einen gegen China gerichteten friedlichen Protestmarsch begonnen, der sich später zu gewalttätigen Protesten in Tibet und angrenzenden chinesischen Provinzen mit tibetischer Bevölkerung auswuchs. Der Exilregierung in Indien zufolge wurden bei der Niederschlagung der Proteste mehr als 200 Tibeter getötet. Die Regierung in Peking sprach dagegen von nur einem getöteten tibetischen "Aufständischen" und machte "Aufrührer" für 21 Tote verantwortlich.

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