Deutschland verliert einen Fürsprecher

Der Deutsche Fußballbund ist nicht erfreut über Platini: Der Franzose will die Verbände stärken

DÜSSELDORF taz ■ Theo Zwanziger kommentiert das Wahlergebnis des Düsseldorfer Kongresses nicht gerne. Die Geschehnisse gefallen dem Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes(DFB) überhaupt nicht. „Wir hätten auch offen abstimmen können“, sagte Zwanziger süffisant. „Aber das trifft bestimmt nicht für alle der 52 Mitgliedsverbände zu“, bemerkte er in Anspielung auf die Aktivitäten der letzten Tage. Der DFB hätte gerne noch einmal Lennart Johansson an der Spitze des europäischen Kontinentalverbandes gesehen. „Wegen seiner Verdienste und wegen des Menschen“, meinte Franz Beckenbauer, der seinerseits als Uefa-Vertreter in die Exekutive der Fifa gewählt wurde.

Fifa-Präsident Joseph Blatter ging hingegen wieder mal als Sieger aus einem Duell mit dem „alten Schweden“ hervor. Der Weltverbandschef hatte mit seiner öffentlichen Parteinahme für Platini noch beim Kongress die Etikette verletzt und stand am Ende doch wieder auf der Gewinnerseite. Nun ist Deutschlands Fußballfunktionären nicht recht, dass mit den Stimmen San Marinos, Aserbaidschans, Andorras und Moldawiens ein ebenbürtiges Gegengewicht zu England, Deutschland, Italien und Spanien geschaffen wird. Das ist ein demokratischer Vorgang – bietet aber die Möglichkeit für jenes Vorgehen, mit dem sich schon Blatter offenbar ins Amt zu hieven wusste. Das behauptet zumindest Platini-Widersacher Zwanziger. In vielen Gesprächen „vor allem mit den kleinen Verbänden“ hätte Platini diese Wahl gewonnen. „Ich glaube nicht, dass die ihre Versprechen alle einhalten können“, sagte der enttäuschte DFB-Präsident. Die Uefa sei nun „ein tief gespaltener Verband“. Warum die Spaltung unter Johansson weniger dramatisch sein sollte, kann aber auch Zwanziger nicht beantworten.

Beckenbauer kommentierte nüchtern: „Man muss die Wahl respektieren.“ Auch Zwanziger versicherte: „Ich habe nichts gegen den Menschen“, forderte aber, Platini müsse nun auf den DFB als „mit seinen 6 Millionen Mitgliedern größten Verband zukommen“. Die für Deutschland wichtigste Erkenntnis bleibt aber: Diese Wahl hat die kleinen Verbände gestärkt. Große Fußballländer haben an Einfluss verloren. DANIEL THEWELEIT