Einblick (167)

Thibaut de Ruyter, Architekt, Kurator, Kunst- und Architekturkritiker

taz: Welche Ausstellung in Berlin hat dich zuletzt an- oder auch aufgeregt? Und warum? Thibaut de Ruyter: Matthew Barney und Josef Beuys in der Deutschen Guggenheim. Diese kleine Ausstellung ist ein gutes Beispiel, wie man Kunst heute zeigen kann: statt einer riesigen spektakulären Maschine ein experimentelles Konzept (das Zusammentreffen von zwei Künstlern, deren Arbeiten sich in einigen Bereichen sehr nah sind). Kein Erfolg, aber ein ungewöhnlicher Versuch voller Fragen und Möglichkeiten.

Welches Konzert oder welchen Klub kannst du empfehlen? The Monks in der Volksbühne waren großartig. Zum ersten Mal habe ich dort einen rockenden Raum gesehen, mit einem stehenden Publikum statt der üblichen Langeweile. Drumcorps im Bastard war auch explosiv.

Welche Zeitung, welches Magazin und Buch begleitet dich zurzeit durch den Alltag? Die sukzessive Veröffentlichung von Jörg Fausers Gesamtwerk beim Alexander Verlag. In Fauser habe ich eine Art von Freund und Geistesgefährten gefunden. Bier, (Selbst-)Ironie und die alte Bundesrepublik Deutschland. Fauser ist kritisch und seine Bücher machen mich schallend lachen. (Falls Alexander diese Sätze liest: ich schreibe gerne das Nachwort für den nächsten Band …).

Welcher Gegenstand/welches Ereignis des Alltags macht dir momentan am meisten Freude? Ich bin kein besonders heiterer Typ und erlebe den Alltag eher griesgrämig. Dieser bietet allerdings viele Überraschungen: unerwartet gute Atelierbesuche bei Künstlern, von denen man nichts erwartet hat, Ausflüge zu Gebäuden wie Hannes Meyers renoviertes Meisterwerk in Bernau … Aber auch die absurd-lächerliche neue Beleuchtung des Fernsehturms (anscheinend mit Hilfe einer Taschenlampe) gehören zu meinen alltäglichen Vergnügen.