Die Schulen der Zukunft

BILDUNG Die Zukunft der Bremer Schullandschaft beschäftigt Architektur und Politik gleichermaßen. Bei drängenden Problemen wähnen sich die Akteure im Burgfrieden

Von einer Tageslicht gefluteten Mensa führt der Weg zu den „Lernlandschaften“ mit Blick ins Grüne. So könnte der „Ohlenhof Campus“ in Gröpelingen aussehen, zumindest in der Vorstellung von Architekten. Seit Mittwoch sind Wettbewerbsbeiträge zur „Schule der Zukunft“ im Foyer der Baubehörde zu sehen.

Dass diese Schulgebäude wenig mit den Betonklötzen vergangener Jahrzehnte gemein haben, ist nicht nur eine Folge sich wandelnden Geschmacks, sondern vor allem bildungspolitischer Konzepte: Ganztagsschulen und Inklusion fordern räumliche Umgestaltungen für Nachmittagsaktivitäten und barrierefreie Zugänge.

Doch so schön diese „Schulen als Lebensraum“ aussehen – ihre Probleme liegen woanders: Unterfinanzierung, Stundenausfälle und regelmäßige Schlusslichtpositionen bei Vergleichsuntersuchungen wie Pisa bestimmen die öffentliche Wahrnehmung.

Wahlkampfstoff allemal – und für diesen hat sich die CDU bereits am Dienstag aufgewärmt. In der Mensa des Kippenberg-Gymnasiums haben ihr bildungspolitischer Sprecher Thomas vom Bruch, Schulleiter, Elternvertreter und der Abteilungsleiter des Bildungsressorts, Detlef von Lührte, diskutiert.

Die Schulleiter betonten den Stellenwert von Fördermaßnahmen und loben das entsprechende Engagement der jungen Lehrergeneration

Gegenstand war die Formulierung einer Zwischenbilanz zum Bremer Bildungskonsens: Senat und Opposition hatten sich 2009 auf die Koexistenz der heute 33 Oberschulen und acht Gymnasien geeinigt, das so genannte Zwei-Säulen-Modell.

Dieser Kompromiss sei notwendig gewesen, um eine Strukturdebatte „zu befrieden“, so vom Bruch. Auch wenn er heute die Gefahr sehe, dass der Senat sich zum Nachteil der traditionellen Gymnasien zu sehr um die Oberschulen bemühe, habe es der Kompromiss ermöglicht, jenseits ideologischer Konflikte über konkrete Fragen zu diskutieren. So den von zahlreichen Untersuchungen belegten Zusammenhang von sozialem Status und Erfolg in der Schule.

Auch Franz Jentschke, Schulleiter der Gesamtschule-Ost und sein Kollege Hermann Pribbernow vom Kippenberg-Gymnasium waren sich einig: „Es ist uns wichtig, kein Kind verloren zu geben“, sagte Jentschke. Beide Schulleiter betonten den Stellenwert von Fördermaßnahmen und loben das entsprechende Engagement der jungen Lehrergeneration.

Sorge bereitet Pribbernow aber die zukünftige Verfügbarkeit entsprechend qualifizierter Lehrkräfte im Haushaltsnotlageland: „Die besten ReferendarInnen“ bewürben sich heute bundesweit und arbeiteten wegen höherer Besoldung dann außerhalb Bremens. Auch sei die Bewilligung der Stellen durch den Senat zu langsam für BewerberInnen. Gemessen an den Krisen vor drei Jahren seien die Verhältnisse inzwischen jedoch deutlich entspannter, so Jentschke.

Angesichts solcher Einschätzungen über die Arbeit seines Ressorts konnte von Lührte gelassen bleiben. Er freue sich über die Fortschritte in der Unterrichtsversorgung und nehme die Kritik gerne auf. Das betreffe auch Fragen wie die derzeit diskutierten Kürzungen bei Schulen in privater Trägerschaft.

Kirsten Jablonka, Elternvertreterin der Schulen in Freier Trägerschaft, hatte diese Benachteiligung kritisiert. Sie führe zu höheren Schulgeldern und blockiere finanziell schlechter gestellten Familien entsprechende Bildungswege.

Über die „Die Schulen der Zukunft“ wird aber zumindest nicht entlang alter Konfliktlinien zwischen Gesamtschulen und Gymnasien gestritten. „Die Zeiten sind vorbei“, resümierte CDU-Kreisvorsitzender Jens Eckhoff, heute werde über Inhalte gesprochen – und solange am Burgfrieden festgehalten wird, ist Zeit, sich mit konkreten Zukunftsplänen wie eben jenen der Architekten zu beschäftigen.