Sich dem Erbe stellen

ERINNERUNG Hamburg will mit dem tansanischen Dar es Salaam seine Kolonialgeschichte aufarbeiten

Eine Aufarbeitung des kolonialen Erbes hat der Senat beschlossen. Im Rahmen der 2010 geschlossenen Städtepartnerschaft mit dem tansanischen Dar es Salaam soll es ein Erinnerungskonzept geben. Hamburg habe als Hafen- und Handelsmetropole eine besondere Verpflichtung und ein besonderes Interesse, das koloniale Erbe aufzuarbeiten, sagte Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos) am Dienstag. „Wir werden uns der Geschichte mit mehreren Initiativen stellen.“

„Damit beginnt ein neues Kapitel in der Geschichtsschreibung“

Christa Goetsch, Grüne

Geplant sind unter anderem grundlegende Forschungsarbeiten. Dafür wird eine auf zunächst drei Jahre befristete Forschungsstelle am Historischen Seminar der Universität eingerichtet. Sie soll unter anderem Vorträge und Ringvorlesungen veranstalten.

An den Universitäten Dar es Salaam und Hamburg soll es Doktoranden-Tandem-Teams geben, die Dissertationen über die deutsch-tansanische Geschichte erarbeiten. Geplant ist auch eine Weiterentwicklung des „Geschichtsgartens“ im Hamburger Stadtteil Jenfeld mit seinen umstrittenen Denkmälern. Hier sollen neue Informationstafeln zu Hintergründen des Kolonialismus aufgestellt werden.

Die Grünen begrüßten das Konzept. Damit beginne „ein neues Kapitel in der Hamburger Geschichtsschreibung“, erklärte Christa Goetsch, kulturpolitische Sprecherin der Grünen-Bürgerschaftsfraktion. Die Kolonialvergangenheit Hamburgs liege erst 100 Jahre zurück und sei bislang kaum kritisch betrachtet worden. Dazu gehöre nicht nur die Überprüfung von Straßennamen und Denkmälern, sondern auch die Geschichtsvermittlung in den Museen, sagte sie.  (epd)