Auf Widerstand folgt Kahlschlag

ARBEITSKAMPF Die Madsack-Verlagsgruppe will ihr Kundendienst-Center in Hannover schließen. Zufall? Immerhin kämpfen die dortigen Beschäftigten seit einem halben Jahr für einen Haustarifvertrag

Die Verlagsgruppe Madsack hat angekündigt, ihr „Kunden Service Center“ (KSC) in Hannover zum Ende dieses Jahres zu schließen. Das hieße: Insgesamt 87 Beschäftigte auf 57 Vollzeitstellen verlieren ihre Jobs. Zugleich ließ Madsack wissen, man werde den Kundenservice für die Hannoversche Allgemeine Zeitung und die Neue Presse künftig an das Callcenter MZ Dialog in Halle vergeben. Vorausgegangen waren insgesamt 118 Streiktage – mit Unterbrechungen – für einen Haustarifvertrag.

„Das ist eine Riesensauerei“, sagt Till Kaltenecker, KSC-Betriebsrat und Streikleiter der Gewerkschaft Ver.di, über die Ankündigung. Noch vor weniger als zwei Jahren habe Madsack KSC zum „bundesweit führenden Servicecenter in der Zeitungsbranche“ ausbauen wollen, erklärt Lutz Kokemüller, Fachbereichsleiter Medien bei Ver.di Niedersachsen. Unter anderem hatte KSC die Abonnentenbetreuung für die Hildesheimer Allgemeine Zeitung, das Göttinger Tageblatt und die Kieler Nachrichten übernommen.

Der Geschäftsführer kündigte an, über einen Sozialplan verhandeln zu wollen

Aus Sicht der Gewerkschaft begannen die Schwierigkeiten, als die Beschäftigten sich nach 13 Jahren Zurückhaltung für bessere Arbeitsbedingungen und Gehälter zu engagieren begannen und im Herbst vergangenen Jahres in den Arbeitskampf traten. „Die Beschäftigten werden kollektiv abgestraft“, sagt Ver.di-Sekretär Kokemüller. „Mit Schließung des KSC erfolgt die Vernichtung der Arbeitsplätze in Hannover. Das ist ein Skandal!“

Madsack begründet das Callcenter-Aus dagegen mit dem Konzernumbau-Programm „Madsack 2018“: Im bundesweiten Wettbewerb lasse sich das KSC „aufgrund struktureller Gegebenheiten“ nicht wirtschaftlich betreiben. Angesichts von demografischem Wandel und schrumpfenden Abonnentenzahlen gebe es für das Unternehmen nur noch zwei Arten von Kundenservice-Centern: große Einheiten, die optimal Synergien und Größeneffekte nutzen können, und kleine Callcenter, die ohne teure Verwaltungsstrukturen auskommen. Das „mittelgroße“ KSC werde daher geschlossen. „Das Billigste geht eben noch billiger, wenn man es in den Osten verlagert und operative Strukturen abwirft“, sagt Betriebsrat Kaltenecker dazu.

KSC-Geschäftsführer Christoph Rüth kündigte gegenüber dem Branchendienst Kress an, mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan verhandeln zu wollen. Ergänzend könnte die Gewerkschaft auch eines Sozialtarifvertrag durchzusetzen versuchen. Der Vorteil aus Arbeitnehmersicht: Dafür kann, anders als für einen Sozialplan, auch gestreikt werden – und das sogar solidarisch. So könnte Ver.di etwa in der Madsack-Druckerei mobilisieren.

Die Mediengruppe beschäftigt nach eigenen Angaben rund 4.500 Menschen und gibt 18 regionale Tageszeitungen und mehr als 30 Anzeigenblätter heraus. Das 2013 verkündete Programm „Madsack 2018“ sieht unter anderem eine neue Zentralredaktion vor, die laut Geschäftsführer Thomas Düffert „überregionale Inhalte in einer besseren Qualität bieten“ soll.