„Uns gibt es hier schon lange“

LESUNG Die Aktivistin Sharon Dodua Otoo zum Abschluss des Schwarzen Kulturfestivals

taz: Frau Otoo, das Schwarze Kulturfestival war eine Antwort auf Jean Genets Stück „Die Neger“ am Schauspielhaus. Was ist schon an dessen Titel so problematisch, dass man ihn nicht ausschreiben sollte?

Sharon Dodua Otoo: Wenn Menschen, die von Rassismus betroffen sind, bestimmte Worte nicht hören oder lesen wollen, geht es dabei nicht um Verbote, sondern um Respekt. Man kann alles thematisieren, aber der Kontext muss stimmen: Wenn man ständig bestimmte Begriffe verwendet, in der Annahme, sie seien neutral, obgleich die Betroffenen sagen „Das geht nicht!“, kann man nicht von einem respektvollen Umgang sprechen. Wer im Jahr 2014 einen solchen Titel verwendet, muss sich der Konsequenzen bewusst sein und will meiner Meinung nach einfach provozieren.

Wie antwortet das Festival?

Generell ist es so: Schwarze werden im deutschen Theater systematisch ausgegrenzt. Wenn es um die Darstellung Schwarzer Personen im Film oder Theater geht, handelt es sich meist um die Repräsentation des vermeintlich „Anderen“. Es geht um die bildliche Veranschaulichung von etwas „Fremdem“, dargestellt durch Weiße, also aus einer weißen Perspektive. Anstatt dass auf das zurückgegriffen wird, was Schwarze Menschen selbst machen, wenn sie sich präsentieren, wird immer diese Projektion verwendet. Mit dem Schwarzen Kulturfestival zeigen Schwarze Menschen in Hamburg: Uns gibt es hier schon lange und wir haben schon lange Kultur gemacht, die jedoch vom Mainstream nicht beachtet wird.

Zugleich endet heute auch die Ausstellung „Daima“ von der Fotografin Nzitu Mawakha.

Es geht sowohl in der Ausstellung als auch im Buch darum, dass sich Schwarze Frauen als selbstverständlicher Teil der deutschen Gesellschaft zeigen. Die Novelle habe ich geschrieben, weil mir gerade solche Literatur fehlte: Alltagsprobleme, die wir alle haben, aus einer Schwarzen weiblichen Perspektive. Auch die Ausstellung porträtiert Frauen, die zu Wort kommen wollen und die auch Fragen aufwerfen. So entsteht, wenn man sich darauf einlässt, eine Interaktion.

Man hört zurzeit viel über organisierte Flüchtlingsbewegungen: Lampedusa in Hamburg oder auch die Schulbesetzung in Berlin. Man sieht da aber so gut wie keine Frau.

Männer sind dort deutlich in der Überzahl, aber auch Frauen spielen eine tragende Rolle in der Selbstorganisation von Flüchtlingen, beispielsweise in Verhandlungen zwischen den Flüchtlingen. Aber diese Rolle wird häufig von außen unterschätzt und nicht gewürdigt. INTERVIEW: KATHARINA SCHIPKOWSKI

Lesung und Finissage: 19 Uhr, Timbuktu Café, Marktstraße 130

■ 41, schrieb zuletzt „die dinge, die ich denke, während ich höflich lächle“ (Edition Assemblage).  Foto: Katharina Trautschold