„Ich sitze am Ufer eines Flusses und warte“

INTERVIEW PETER UNFRIED

taz: Herr Kroth, häufig muss man einen Unternehmer-Patriarchen waagerecht aus seinem Betrieb tragen. Sie nicht. Wie kommt’s?

Lutz Kroth: 37 Jahre harte Arbeit sind genug, ich merke auch, dass es ein Glück ist, weniger zu arbeiten und sich selber ein bisschen näher zu kommen, seit Till Tolkemitt da ist.

Ihr Geschäftsführer.

Ja. Ich freue mich tatsächlich, zuarbeiten zu können und nicht mehr entscheiden zu müssen. Das ist herrlich. Und das Schönste wäre, wenn das klappt und Sachen gemacht werden, an die ich nie gedacht hätte – und die schön sind. Und genau danach sieht es aus.

Ist das alles?

Ich bin bald 65. Da zweifelt man besser an sich, ob man wirklich noch zeitgemäß tickt. Und: Man denkt am Tag mindestens ein- oder zweimal an den Tod.

Das tun Sie?

Ja. Ich habe mich, würde ich sagen, bis 59, 60, für unsterblich gehalten. Das hat sich geändert. Meine Frau hat mich damit konfrontiert: Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass wir älter werden, moribund, wunderlich oder sonst was. 65 wird man sehr schnell, noch schneller 67, dann 70, ja, wann soll ich anfangen, die Zukunft der Firma zu regeln? Mit 75? Das ist ja peinlich. Bald kann man es nicht mehr, und dann ist man in der Unseld-Falle …

Der Patriarchenverleger stirbt praktisch am Schreibtisch.

… oder die Witwe ist in der Unseld-Falle.

Kurzum: Sie beide organisieren sich Zeit, um miteinander zu leben?

Und ich versuche, mich aus dem Arbeitskäfig auszuwildern in das wirkliche Leben.

Herr Kroth, was war das wichtigste Buch, das Sie bisher verlegt haben?

Alle waren wichtig.

Herr Kroth!

Das einflussreichste war wohl der Umweltreport „Global 2000“, mit einer Auflage von weit über 500.000 Exemplaren in sehr kurzer Zeit.

Wie kamen Sie an den Stoff?

Ein Tipp. Meine Frau und ich sind sofort nach New York geflogen. Über einen Freund in den USA hatten wir uns die Regierungsdrucksache besorgen lassen. Umweltschützer wurden damals als Spinner diffamiert. Und hier war zum ersten Mal aus regierungsamtlichen Quellen ein Beleg, dass die Erde gefährdet wird durch unseren zerstörerischen Lebensstil. Das Buch wurde 1981 sofort ein Riesenbestseller und hat sicher Einfluss gehabt auf die Erstarkung der grünen Bewegung. Das war für uns als Firma eine ungeheure Bestätigung, weil wir es schafften, gegen die gesamte Medienlandschaft, gegen die öffentliche Meinung als kleiner Versand das Denken vieler zu beeinflussen. Nur mit unserem Katalog. Und einer Anzeigenserie. Ich weiß nicht, ob die taz „Global 2000“ damals rezensiert hat. Ich glaube nicht. Es gab praktisch keine Reaktionen in den Medien. Aber die Menschen hungerten nach dem Buch.

Der Dichter Wolf Wondratschek sagte, Zweitausendeins habe keine Rezensionen gekriegt, weil keine Rezensionsexemplare rausgingen.

Ja, das stimmt. Unverlangt haben wir die ersten 20 Jahre keine Pressestücke verschickt. Aber was ist das für ein Journalismus, der sagt. „Ich hab kein Buch geschenkt bekommen, dann kann ich nicht drüber schreiben“?

Ökologie war politisch umstritten.

Ja, unsere Veröffentlichung von ökologischen Büchern war begleitet von der Ablehnung der Linken. Nachdem wir jahrelang in den 68er, 70er Submainstream geströmt waren, hieß es: Zweitausendeins wird unpolitisch.

Aber die Linke konnte Sie mal?

Ökologie war mir eine Herzenssache. Das war und ist ein Privileg, mit Zweitausendeins ein Medium und einen Kundenstamm zu haben, mit dem man sagen kann: Jetzt mache ich dieses Buch gegen die verbreitete Meinung.

Der Schriftsteller Matthias Politycki hat das Merkheft als einen großen fortgeschriebenen Gegenwartsroman bezeichnet. Mit welchen Strategien wurde damit kommuniziert?

Es gab keine bewussten Strategien. Ich wollte veröffentlichen, was mich selbst bewegt, was mir Freude macht und natürlich auch mit der Hoffnung, es gut zu verkaufen. Und ich musste keinen fragen. Die Zweitausendeins-Kunden und meine Partner Walter Treumann und Wolfgang Müller trugen alles mit. Herrlich. Kommerziell denken können wir auch. Klar, das muss sein, sonst kann man nicht überleben.

Auch das kam bei den Linken sicher nicht gut an?

In der harten Zeit, in den 70er-Jahren, standen wir sicher unter Kapitalismus-Verdacht, privat Verdienende und sonst was, was dann auch stimmte. Und heute sind wir die 68er, was genauso wenig schmeichelhaft gemeint ist. Ich habe immer gesagt: Das Wichtigste ist, dass unsere Angebote stimmen.

Das Merkheft las man nicht nur wegen der Angebote.

Wenn das Merkheft gut ist, ist es auch unterhaltsam und anregend, bestenfalls politisch informativ. Aber es war harte Arbeit: Der Versand begann am Küchentisch und ohne Geld. Walter Treumann machte die Buchhaltung. Ich habe das Privileg gehabt, Programm und Merkheft zu machen.

Haben Sie auch selbst getippt?

Jede Zeile. Jahrzehntelang. Verrückt, oder?

Ich habe hier das Merkheft Nr. 39 von 1979. Ist das von Ihnen?

Ja. Und jeder Buchstabe hier ist von mir getippt, selbstverständlich.

Hier darf Ihr Kompagnon Treumann den berühmten Brief an die Leser schreiben…

Aber nur aushilfsweise. Weil ich in Urlaub bin.

Der Sound des Merkhefts war Ihr Sound?

Ich habe Hilfe gehabt, diesen Sound zu finden. Von meinem Freund Berthel Schmidt, der seit 35 Jahren dabei ist. Der hat uns auch nach Amerika gebracht. Berthel verliebte sich damals in eine Amerikanerin, und dann gründete er für uns die Firma Blue Angel in der Nähe von Washington, Zweitausendeins auf amerikanisch, mit Merkheft, es hieß „Razzamatazza“.

Und?

Wir verloren sehr viel Geld. Aber wir hatten ganzseitige Anzeigen in der New York Times und im Rolling Stone. Und ich wollte immer mal in den Rolling Stone.

Wanna see my picture on the „Cover of the Rolling Stone“?

Ja, stimmt, diesen Song von Dr. Hook hatten wir im Ohr. Das war genau die Zeit.

Die Firma wuchs dennoch schnell.

Ja, sie hatte damals ein rasantes Wachstum, jedes Jahr zehn Prozent oder so. Ein dicker Schub kam, als wir anfingen, LPs unter Preis zu verkaufen. Das war möglich geworden durch die Aufhebung der festen Ladenpreise. Wir hatten einen Scout, der dann später Partner wurde …

Wolfgang Müller.

Der wusste, wo wir Platten billiger einkaufen konnten. In England wurden Gruppen, die bei uns noch heiß und teuer waren, schon unter Preis verkauft. Oder Bob Dylan: Für den interessierte sich der normale Plattenhandel nicht. Ich sagte: Mensch, Dylan? Das kann doch nicht wahr sein! Und dann verkauften wir ihn in verblüffenden Mengen. Musik war, das wissen Sie besser als ich, auch eine oppositionelle Kultur.

Sie nennen sich „Versender“. Warum wurden Sie Versender, Herr Kroth?

Man kann ohne Geld starten. Nach Feierabend. In Heimarbeit. Und ich war gelernter Buchhändler. Mutter, Vater, zweite Mutter, Schwester, Großvater, Sohn, alles Buchhändler.

Sie gingen nach der Lehre bei den Eltern in den 60ern nach Frankfurt.

Ja, Frankfurt schien mir die heißeste Stadt, weil da viele Verlage waren. Ich war bald bei Suhrkamp Vertriebsleiter und danach Assistent von Pardon-Chef Hans A. Nikel.

Was war das Neue an Zweitausendeins?

Dass Anzeigen und Kataloge kleine Buchstaben und viel Text haben dürfen – Hauptsache, interessant zu lesen. Dass wir im Meer der Auflagenreste immer wieder Perlen entdeckten. Dass Zweitausendeins Bücher und Musik verkauft, die es woanders nicht so billig oder gar nicht gibt.

Sie brachten Wolf Wondratscheks Gedichte exklusiv.

Wondratschek kam damals mit einem Manuskript für einen Gedichtband. Er war schon berühmt, wir nicht. Eine Neuerscheinung von ihm zu drucken, die es nur bei uns, nicht im Buchhandel geben würde, begeisterte mich. Wondratschek wurde bei uns zum meistverkauften zeitgenössischen Dichter.

Es heißt, sie hätten ihm einen Superdeal gegeben: fifty-fifty?

Das war es mir wert. Er hat dann mehrere Gedichtbände bei uns gemacht, und es hat nie einen schriftlichen Vertrag gegeben. Er ist ja auf seine Art ein vornehmer Herr, der zu seinem Wort steht.

Warum haben die Leute zu der Zeit Gedichte gekauft?

Zweitausendeins-Kunden interessieren sich immer für Gedichte, die sie berühren. Sie kaufen auch Unbekanntes, ohne es vorher in die Hand nehmen zu können, weil sie unserer Auswahl vertrauen, na ja, und weil es so billig ist.

Sie appellierten an das Sparbedürfnis des Milieus?

Der liebe Franz Greno …

der rund zehn Jahre die Herstellung Ihrer Bücher betreute …

… hat mich gelehrt, wie und dass wir Bücher billiger herstellen können. Dass man dafür unkonventionell sein darf: Wir haben Leonard Cohen, der damals ein großes Ding war, mit zwei Papiersorten im gleichen Band gedruckt.

Warum?

Greno besorgte uns günstig Restposten unbedruckten Papiers, genug für eine Auflage Cohens. Und dann war vorn im Buch glänzendes und hinten stumpfes Papier, aber der Band war so billig, dass die Leute in unserem ersten Laden damals Schulter an Schulter standen.

Vor jedem Preis im Merkheft stand jahrzehntelang „nur“ odernur noch“.

Ich glaubte einfach, dass das besser verkauft, solange es stimmt. Obwohl mein Lehrer in der Berufsschule gesagt hat, misstraut Reklame, wo „nur“ vor dem Preis steht. Meine Erfahrung war anders. Und das Beste ist der Begriff „statt … nur noch …“ Mein Vater hatte schon so einen Preis-Stempel für den Ramsch.

Sonst 999 Mark, hier nur zwofuffzig?

Ja. Das ist das, was am meisten verkauft. Aber die Qualität muss trotzdem gut sein.

Es gehörte doch zur Konsumkultur Ihrer Kunden, zu denken, es gehe eben nicht nur um Konsum.

Ja. Das schien so. Und das war so.

Sie haben die Kunden auch zermürbt. Jedes Mal wurde wieder erklärt, dass man jetzt aber die „Fackel“ zu bestellen habe.

Die Investitionen in die Gesamtausgabe waren drückend und eine weitere Auflage unsicher. Wir rieten zum schnellen Kauf.

Ihren ersten deutschen Autor Eckhard Henscheid haben Sie seit Jahrzehnten im Merkheft. Der kam aus der Pardon-Ecke und fand keinen Verlag.

Ich hatte ihn selbst erst auch übersehen. Aber Harry Rowohlt …

damals Ihr „Senior Editor“ …

… scherz- und ehrenhalber, er hat gesagt: „Mach den, mach den!“ Ich bin ihm bis heute dankbar. Damals haben wir uns gesagt: Wir sind zwar ein Ramschladen, aber wir wollen die schönsten Bücher haben. Der Henscheid wird bibliophil gedruckt. Da fing das an. Heute sind wir mitten in der 15-bändigen Henscheid-Werkausgabe.

Den Begriff Ramsch gebrauchen Sie ohne Scham?

Der ist positiv!

Wie viel hat Henscheid verkauft?

Der Erstling „Die Vollidioten“ ist der bestverkaufte Roman von Henscheid. Über 180.000-mal verkauft. Henscheid hätte wohl nie so viel verkauft, wäre er woanders gewesen.

Dafür fehlte er in den Buchläden und der FAZ und musste jahrzehntelang kämpfen, um als Großschriftsteller anerkannt zu werden.

Er hat bei uns sofort die verdienten Leser gefunden. Und hat uns viele neue Leser und Leserinnen gebracht. Die Presse brauchte er nicht – wir hatten unser eigenes Medium, unseren Katalog und seine Leserschaft.

Was ist der Unterschied zwischen einem Zweitausendeins-Schriftsteller und einem anderen Schriftsteller?

Er muss mich aushalten. Als Verleger von Zweitausendeins war ich kein normaler Verleger. Autoren wünschen sich, dass der Verleger eine Art Papa ist, den sie auch nachts anrufen können. Das konnte ich nicht leisten. Ich konnte verkaufen.

Sie sind kein Unseld.

Genau. Das muss man jetzt doch mal so sagen.

Obwohl Sie beim Suhrkamp-Verleger gelernt haben.

Ich verlor meinen Job bei Unseld, weil ich nicht auf der Buchmesse war, wo ich als Vertriebsleiter präsent sein sollte, sondern auf einer Demo.

In der 1. Reihe?

Höchstens in der 64. Reihe. Ich war viel zu schüchtern und lief voll ernster Begeisterung mit.

Und dann wurde Ihr zivilgesellschaftliches Engagement von Unseld sanktioniert?

Das wurde sanktioniert, und ich habe Unseld Jahre später gesagt, ich hätte das genauso gemacht. Wenn man Vertriebschef ist, sollte man schon auf dem Messestand sein und nicht auf der Demo. Oder sich abmelden.

Was war das für eine Demo?

Die Apo in Frankfurt vor der Paulskirche, gegen die Verleihung des Friedenspreises an Léopold Sédar Senghor.

Herr Kroth, die kleinste Kolumne der Welt wurde von einer Mitarbeiterin namens Frau Susemihl geschrieben, „die die Bestellungen bearbeitet“, wie es hieß.

Das stimmte sogar.

Die hatte höchstens zwanzig Worte, diese sogenannte Kolumne.

Wenn sie gut war, ja.

Wer hat sie geschrieben?

Die Kolumne wurde in Absprache mit Frau Susemihl geschrieben. Und sie wurde ihr vorgelegt. Sie traf genau ihren Sound. Frau Susemihl war unsere erste und älteste Mitarbeiterin. Sie war furchtbar patent und liebenswürdig autoritär. Die wurde über 90 bei uns. Sie nahm in ihren Urlaub gern Pakete mit, um Bestellungen aus Mallorca persönlich im 2CV vorzufahren.

Was war die Strategie der Kolumne?

Keine. Frau Susemihl nervte uns und sagte immer irgendwas wie: „Und das müssen Sie mal sagen, Herr Kroth, die Leute sollen auf dem Coupon deutlicher schreiben.“

Es hatte etwas Identitätsstiftendes.

Ja, es ist uns auch nie wieder gelungen, seit sie tot ist, die Kolumne zu ersetzen.

Hier sehe ich gerade in einem alten Heft, dass sie klagt über „Herrn Reinecke, der nicht schnell genug in seinen Urlaub fahren konnte“.

Ihre Einstellung war, dass Unternehmer keinen Urlaub zu haben hatten.

Dass Sie eines Tages plötzlich nicht mehr Reinecke waren, hat die Leute auch irritiert.

Ich hatte geheiratet und den Namen meiner Frau angenommen. Von den Kunden kam keine Irritation, nur von der Presse. Und auch da nur von Linken.

Wurde das den Leuten mal erklärt?

Nein. Ich wollte keine Reklame, keine Politik damit machen. Es war privat, es war eine Liebeserklärung.

Wie haben Sie antizipiert oder mitgekriegt, dass Milieus sich auflösen oder Leute ankommen?

Wir haben es beim Musikverkauf gemerkt, durch die Digitalisierung: Es werden weniger CDs gekauft, es wird mehr Musik digital geklaut. Darunter leidet die gesamte Musikindustrie, wir auch, weniger stark, aber doch.

Was noch?

Ich habe gemerkt, dass die Buchauflagen kleiner werden, dass das Interesse der Menschen an Themen sich immer schneller verbraucht. Dann haben wir gemerkt, dass Politik, politische Bücher heute schwerer zu verkaufen sind. Mathias Broeckers’ Bücher über den 11. September waren unsere letzten großen Bestseller mit einem unbequemen politischen Thema.

Von was für Auflagen reden wir?

Ein gut recherchiertes Buch über die amerikanische Folter hätten wir früher bis zu 50.000-mal verkauft. Heute werden das 15.000. Ich glaube, dass es viele Leute gibt, die sagen: „Die Zeiten sind krisenhafter geworden, ich habe selber Krisen, ich möchte jetzt lieber was Nettes haben. Ich kann doch nix mehr ändern am Ozonloch.“ Zu viele sind erschöpft, vereinzelt im Konsum. Zu viele sind entmutigt, weil sie ahnen, wir müssten uns zuerst selbst ändern, wenn sich etwas ändern soll. Weil viele Angst haben: Wie behalte ich meinen Job, was ist morgen mit meiner Rente?

Das Konsumverhalten hat sich auch geändert.

Ja, das merken wir. Anderseits verkaufen wir heute einen praktisch unbekannten Film wie „The Corporation“ besser, als der gesamte Videohandel den Film verkaufen würde. Das macht mich glücklich. Und das zeigt, man wird als Verleger belohnt, wenn man sein Produkt liebt und tut, was man kann, um die Leute dafür zu interessieren. Ich denke immer, mein Blick ist noch weit, dass ich immer noch, wie soll ich sagen, als Trüffelschwein arbeiten kann.

So sehen Sie sich?

Eigentlich empfand ich mich immer als jemand, der am Ufer eines Flusses sitzt, auf dem bisweilen interessante, wichtige Sachen vorbeischwimmen. Und ich brauche nur zu warten und picke sie dann raus. Andererseits muss ich mit 65 hinterfragen, wen interessiert heute noch, was uns 1968 und danach bewegte.

Eine Haupthoffnung der Gegner ist, dass alles, was mit 1968 zu tun hat, ein Ein-Generationen-Projekt bleibt. Auch Zweitausendeins.

Ach, Zweitausendeins hat sich dauernd geändert, für Neues geöffnet: Ökologie in Theorie und Praxis, Moderne Physik und Metaphysik, Feminismus, Digitalisierung. Zweitausendeins wird sich weiter verändern. Film war immer ein interessantes Medium für mich und ist nun ein Kernmedium. Und deshalb ist die Zusammenarbeit mit Kinowelt …

dem neuen Besitzer …

… hoch attraktiv. Damit können wir uns jetzt verbessern.

Entgegen anders lautenden Gerüchten hat Zweitausendeins also Zukunft?

Aber ja. Wir konnten immer Dinge anbieten, von denen die Leute bis dato nicht wussten, dass sie sich dafür interessieren. Das ist die Aufgabe von Verlegern.

Werden Sie sich künftig alten Büchern widmen, statt neue zu machen?

Nein. Ich habe mich privat von den meisten Büchern getrennt. Irgendwann merkte ich, die habe ich im Bewusstsein, aber die Materie belastet mich.

Was belastete Sie daran?

Die Vergangenheit, mit der ich das Buch verbinde. Ich möchte nicht mehr jeden Tag mit meinen alten Gefühlen und Erfahrungen von gestern konfrontiert sein.

Nun haben Sie leere Regale?

Bis auf die Bücher, die ich heute lese. Und nebenan die, die ich selbst mal verlegt habe. Das ist …

eine solitäre Situation.

Sehr solitär. Geradezu unverschämt solitär.

„Frau Susemihl nervte uns. “

„ Unverschämt solitär.“