Die Weihnachtskrimis

Die Welt zu Gast bei Südschweden

Inzwischen regieren in Schweden die Konservativen, hier aber wird noch für den Wahlkampf getrommelt: Auf dem Marktplatz von Ystad hält der sozialdemokratische Spitzenkandidat ein emotionales Plädoyer für Zuwanderung. In einem Güterzug wird gleichzeitig ein erschossener Afrikaner gefunden; das ist keine gute Werbung für die Migrationskampagne – zumal bald ein anderer Afrikaner im Verdacht steht, den Mord begangen zu haben. Importiert man sich mit den Einwanderern nur deren Probleme ins eigene Land?

Es geht in „Ein Toter aus Afrika“ also zu wie in jedem Wallander-Krimi: Die Bluttat im übersichtlichen Städtchen Ystad führt zu den großen, unübersichtlichen Konflikten, die da draußen in der Welt toben. Der Film ist Teil einer Reihe, für die Henning Mankell die Drehbücher verfasst. Die ARD hat die Krimis als Paket eingekauft und versendet sie nun stoßweise: In der folgenden Episode, „Der unsichtbare Gegner“ (26. 12., 22.30 Uhr), verweist das Verbrechen auf die Spätfolgen des Balkankrieges. In „Bilderrätsel“ (30. 12., 22.10 Uhr) führt der Mord an einer NGO-Mitarbeiterin zu antiken Raubstücken aus Afghanistan. Mehr noch als in seinen Wallander-Bestsellern erhebt Mankell in diesen TV-Täterrätseln die Leichen zu stillen Zeugen der Globalisierung.

So weit, so gut. Allerdings vermisst man über weite Strecken die Präzision, mit der sich in den Romanen das Unheil der weiten Welt in der Enge der schwedischen Provinz ausbreitet. Und auch an die mehrteiligen Fernsehadaptionen mit Rolf Lassgård (liefen bei uns im ZDF) reichen die 90-Minüter nicht heran. Unter dem Gesichtspunkt der Markenpflege tut Mankell seinem Verkaufsschlager Wallander mit dieser Erweiterung der Produktpalette keinen Gefallen: Zu sehr ordnet er die Figur hier den Zwängen des Seriellen unter. Das führt so weit, dass die Folge „Der unsichtbare Gegner“ wie ein Abklatsch des Serienkillerschockers „Saw“ daherkommt.

In der heutigen Episode immerhin muss sich der Zuschauer mit Kommissar Wallander (Krister Henriksson) durch ein komplexeres Dickicht aus gesellschaftlichen Einflüssen kämpfen. Der Plot ist zwar nur mäßig inspiriert gebaut und fußt zu stark auf den ewigen Eingebungen des Ermittlers, dafür unterwandert Mankell bei der Beleuchtung der postkolonialistischen und neonazistischen Hintergründe relativ geschickt die Erwartungshaltung des Publikums. Und obwohl der Politkrimi letztes Jahr im schwedischen Vorwahlkampf entstand, machte es sich der Sozialdemokrat Mankell nicht so leicht, seinen Parteifreund im Film samt seiner mitfühlenden Migrationspolitik als Heilsbringer zu inszenieren. Wahlkampf ist Wahlkampf, im Krimi gelten andere Wahrheiten.