Erwerbslose entsetzt über „PR-Desaster“

Seit Tagen führt „Bild“ Henrico Frank als „Faulenzer“ vor. Jetzt hat er auch noch alle Jobangebote abgelehnt. Eine bundesweite Erwerbsloseninitiative distanziert sich von Frank und seiner selbsternannten Pressesprecherin. Sie bestätigten alle Klischees

Die Aktivisten in der Erwerbslosenszene sind entsetzt über den Wirbel rund um Henrico Frank, der zum berühmtesten Arbeitslosen der Republik aufgestiegen ist. „Das ist ein PR-Desaster“, klagt Martin Behrsing vom Erwerbslosen Forum Deutschland. „Alle Klischees über Arbeitslose wurden bestätigt.“ Das Forum distanzierte sich gestern in einem zweiseitigen Brief von Frank und seiner PR-Managerin Brigitte Vallenthin.

Henrico Frank wurde inzwischen in mehreren Bild-Titelgeschichten vorgeführt und heißt dort nur noch der „Faulenzer“. Gestern ist ein weiterer Aufreger hinzugekommen: Vallenthin teilte mit, dass Frank keinen der sieben Jobs annehmen werde, die ihm der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) besorgt hat. „Das waren allesamt 7 chancenlose Mogelpackungen.“

Beck hatte sich um die Stellen gekümmert, weil er den Hartz-IV-Empfänger auf einem Wiesbadener Weihnachtsmarkt angeraunzt hatte: Er solle sich rasieren und die Haare schneiden, dann würde er einen Job finden. Daraufhin hatte sich Frank tatsächlich zu einem Friseur begeben. Kaum ein Medium verzichtete auf die Vorher-nachher-Bilder: erst blondierte wirre Mähne, dann gepflegter Seitenscheitel.

Frank hätte unter anderem Spüler in einer Wiesbadener Gaststätte werden oder eine Arbeit als Müllsammler aufnehmen können. Er hätte auch im Straßenbau arbeiten oder eine Ausbildung zum Lastwagenfahrer absolvieren können – mit anschließender Festanstellung. Doch all diese Tätigkeiten kämen „überhaupt nicht in Frage“, beschied Vallenthin, denn Frank habe einen Bandscheibenschaden und eine kaputte Schulter. Alle sieben Arbeitgeber hätten nach Gesprächen bestätigt, dass Frank wohl nicht geeignet sei.

„Diese Pressemitteilung geht nach hinten los“, stöhnt Martin Behrsing. Er geht zwar davon aus, dass Frank gesundheitliche Probleme hat – „aber trotzdem kann man das doch erst einmal mit den Firmen in Ruhe besprechen“, statt übereilt abzulehnen.

Vallenthin hat lange als Umweltjournalistin gearbeitet und bezeichnet sich selbst in ihren Mitteilungen als „Presse und Management für Henrico Frank“. Allerdings ist sie in der Arbeitslosenszene vollkommen unbekannt. „Ich hatte vorher noch nie von ihr gehört“, sagt Behrsing, dessen Mailverteiler 9.000 Namen von Aktivisten umfasst. Genauso neu ist ihm die „Hartz-IV-Plattform“ in Wiesbaden, in deren Vorstand Vallenthin und Frank sitzen. Auch die Internetadresse half ihm nicht weiter, die auf allen Pressemitteilungen der Plattform angegeben wird. Denn auf der Homepage heißt es nur lapidar, dass „bisher keine Inhalte hinterlegt“ wurden.

Mit der Jobabsage setzt Vallenthin ihren bisherigen Konfrontationskurs fort. Erst am Montag hatte sie für bundesweite Aufregung gesorgt: Während Frank schweigend danebenstand, gab sie bekannt, dass ihr Schützling einen Gesprächstermin mit Ministerpräsident Beck ausschlage. Er habe eine andere Verpflichtung bei den christlichen Kirchen. „Ein Adventstreff für Arbeitslose. Nichts weiter!“, skandalisierte prompt Bild. Ihre eigentliche Botschaft vermochte Vallenthin nicht zu vermitteln: wie entwürdigend es für Frank war, aus der Zeitung von seinem Termin bei Beck zu erfahren.

Behrsing kann diese Kränkung verstehen, trotzdem ist er wütend: „Frank hätte den Termin mit Beck unbedingt wahrnehmen müssen.“ Hinterher hätte er dann auf einer Pressekonferenz erläutern können, wie hoffnungslos die Aussichten für alle anderen 2,6 Millionen Langzeitarbeitslosen sind, für die sich Beck nicht interessiert.