MARTIN UNFRIED über ÖKOSEX

Weihnachten mit Rieu und ohne Atom

Im besinnlichen Musikantenstadl feiern André, Hansi, Resi und Rio gemütlich und mit atomfreiem Strom

Es passierte unmittelbar nachdem ich André Rieu in meinem kleinen Supermarkt um die Ecke gesehen hatte. Rieu wohnt nämlich in meinem Viertel. Er stand an der Kasse und zahlte, während es im Hintergrund leise jinglebellte. Ich musste sofort an Weihnachten denken. Der niederländische Geiger Rieu ist immerhin Ausschlachtungsexperte für Weihnachtsgefühle. Da wurde mir bewusst, dass Weihnachten wichtig ist für meine Passion, den emotionalen Atomausstieg.

Sie erinnern sich: Klimaschädliche Produkte und Verhaltensweise sind massiv im Vorteil, da mit Werbemitteln Top-Prominente oder ganze Sendeanstalten im Dienste von Autokonzernen oder Kohle- und Atomkonzernen stehen („Wetten, dass …?“, „Sportschau“, „Tagesthemen“). Es geht darum, die kulturelle Hegemonie der Klimaschänder zu brechen.

Ich ging also heim und schrieb sofort ein Lied über Weihnachten und Atom. Man muss Dinge, die zusammengehören, zusammenbringen. Als das Werk vollbracht war, ging ich schlafen und hatte einen wundervollen weihnachtlichen Traum.

Es erschien mir der volkstümliche Sänger und Moderator Hansi Hinterseer in einer gemütlichen, weihnachtlichen Stub’n. Draußen die Berge, das Tal, der Pulverschnee. Hansi lächelt sein Hansi-Lächeln. Der Guschtl holt die Zither raus. Im Hintergrund die ersten Drumcomputer-Takte. Die Resi bringt den Glühwein. Hansi steht jetzt vor dem Christbaum. Er singt ein Lied:

„Was ischt schöner als Weihnachten, schöner als Weihnachten, Weihnachten ohne Atom. Der Christbaum ischt grün und die Herzen sie glühn, für grünen atomfreien Strom.“

Hansi nimmt die Resi in den Arm. Er liebt die Resi und die Natur. Die Täler, die Wiesn, die Berge. Das ganz atomlose Sein.

Schwenk zur Tür.

André Rieu kommt in die Stub’n mit seinem Orchester und einem Chor. Die Mädchen tragen festliche Ballkleider.

Der Hansi sagt: „Griass di Gott, André, wir feiern Weihnachten ohne Atom. Schön, dass’d dabei bischt.“

André Rieu lächelt und legt die Geige an. Das Orchester platziert sich vor dem Kachelofen. Der Chor steigt mit ein: „Der Christbaum ischt grünund die Herzen sie glühn, für grünen atomfreien Strom, was ischt schöner als Weihnachten, Schöner als Weihnachten, Weihnachten ohne Atom.“

Die Resi nimmt den André Rieu in den Arm. Schwenk zur Tür, und Rio Reiser tritt in die Stub’n.

„Ja, servus Rio!“, ruft der Hansi, „wir feiern gemütlich Weihnachten ohne Atom. Schön, dass’d dabei bischt!“

Die Resi nimmt den Rio in den Arm. Der Rio scherzt: „Keine Macht für niemand, Hansi! Das haben wir an Weihnachten in Kreuzberg auch immer gesungen.“

„Ja, super“, sagt der Hansi, „aber heut hoscht du doch für uns ein ganz neues Lied mitgebracht.“

Ja, sagt der Rio. „Ein Weihnachtslied gegen das Schwein von Mediamarkt, das meinen Song verwurschtet hat. Und natürlich wie immer voll gegen Atomkonzerne.“ Er singt zur Zither: „Steine werfen, am Bauzaun der Nachfrage, am Bauzaun der Nachfrage, ist so viel zu tun, Scheine nerven, am Bauzaun der Nachfrage, Kein Geld den Falschen, ist das Atomgebot.

Der Hansi zwinkert begeistert. Da kommt die taz-Kolumnenband Ökosex in die Stub’n mit den atomstromfreien E-Gitarren. „Loass’s krachn, Buam!“, ruft der Hansi.

Der Schnee rieselt. Der Hansi lächelt. Und dann kracht es und es ertönt festlich die mp3 als Weihnachtsgeschenk für alle taz-Leser und taz-Leserinnen.

IHR ÖKOSEX-Weihnachtsgeschenk zum Runterladen: „Steine werfen (am Bauzaun der Nachfrage“). Sie finden den neuen Song auf www.taz.de/Ressort tazzwei. Ökosex wünscht schöne und atomstromfreie Feiertage.

Songideen? kolumne@taz.de Montag: David Denk GONZO i. V.