Beat-Poet in der Moschee

Der Autor Hadayatullah Hübsch ist tot

Er sei „eine außergewöhnliche, jeden bürgerlichen Rahmen des Abendlands sprengende Erscheinung“. Mit diesen legendären Worten sprach ihm 1979 die Frankfurter Allgemeine (FAZ), für die er bis dahin als freier Autor geschrieben hatte, die Kündigung aus. Eine gehörige Portion Bewunderung schwang da fraglos mit.

Hadayatullah Hübsch war das, was man gemeinhin eine schillernde Person nennt: ein 68er der ersten Stunde. Statt ins RTL-„Dschungelcamp“ wie seinen ehemaligen „Kommune 1“-Mitbewohner Rainer Langhans, in den „bewaffneten Kampf“ der RAF oder in die Politik bei den Grünen verschlug es ihn in die meditative Abgeschiedenheit einer Moschee am Frankfurter Stadtrand.

Als Beat-Poet hatte Paul-Gerhard Hübsch, wie er ursprünglich hieß, zuerst auf sich aufmerksam gemacht; unter diesem Namen erschien 1970 bei Luchterhand sein erstes Buch. Wer seine Performances erleben durfte, schwärmte von deren Intensität, und erst in den letzten Jahren wurde er in Kreisen der neuen deutschen Social-Beat- und Poetry-Slam-Szene in Berlin als Vorbild wiederentdeckt. Daneben war Hübsch auch ein Drogenpionier, der in Frankfurt einst den ersten Headshop der Republik eröffnete, wo es neben Räucherstäbchen und der Peking-Rundschau auch Rauschwaren aller Art gab. Über seine Drogenerfahrungen in jener Zeit, in der er sich täglich eine LSD-Pille einwarf, legte er in seiner Autobiografie „Keine Zeit für Trips“ (1991) später einen recht illusionslosen Bericht ab.

Nach einem psychischen Zusammenbruch reiste er 1970 nach Marokko. Zurück in Frankfurt, konvertierte er zum Islam und nahm den Vornamen Hadayatullah („Der von Gott Geleitete“) an. Mehr durch Zufall kam er wohl zur pakistanischen Ahmadiyya-Gemeinde, weil diese damals die einzige Moschee in Süddeutschland besaß.

Über 20 Jahre stand Hübsch als Imam der Nuur-Moschee in Frankfurt-Sachsenhausen vor und sprach dort jeden Freitag zu seiner Gemeinde. Unermüdlich engagierte er sich dabei, seine Religion zu erklären. Von der Literatur konnte er dennoch nie lassen. Mehr als 100 Bücher, Gedichtbände und Sachbücher hat er veröffentlicht, mal über den Koran, mal über „Jazz und Lyrik“. Zuletzt erschien von ihm eine Cat-Stevens-Biografie, ein Band mit Pop-Gedichten sowie ein Kinderbuch über den Islam.

Am Samstag wäre Hübsch 65 Jahre alt geworden. Er hinterlässt eine Frau, acht volljährige Kinder und zehn Enkel.