Mit einem kommunalen Ökostromanbieter will Schwarz-Grün in Hamburg den Monopolisten Vattenfall ärgern. Ab Herbst soll das Angebot stehen, später will das Land die Versorgungsnetze zurück.von Sven-Michael Veit

Bald soll die kommunale Öko-Sonne durch die Kohlenstaub-Wolken brechen und den Hamburgern das Herz wärmen. Bild: dpa
Mit einem stadteigenen Energieversorger will Hamburg dem marktbeherrschenden Stromkonzern Vattenfall Konkurrenz machen. Für den Stadtstaat und die nähere Umgebung soll das neu gegründete Unternehmen Hamburg Energie ab dem Spätsommer zunächst Strom anbieten, der ohne Kohle und Atomtechnik produziert wurde, und auf dem Markt gekauft wird. Das Fernziel ist, reinen Ökostrom aus eigenen Anlagen anzubieten.
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Die erste Windkraftanlage, mit einer Leistung von drei Megawatt von mittlerer Größe, soll noch in diesem Jahr im Hamburger Hafen errichtet werden und ab 2011 grünen Strom liefern. Weitere Anlagen würden nach und nach auch außerhalb Hamburgs errichtet, auch sei der Einstieg in Offshore-Windparks vor den Küsten denkbar, sagte die grüne Umweltsenatorin Anja Hajduk am Montag im Hamburger Rathaus.
Dieses Konzept sei, zumal in dieser Größenordnung, "bundesweit bisher beispiellos", so Hajduk. Hamburg ist die erste Großstadt und zugleich das erste Bundesland, das von konventionellen Energieunternehmen unabhängig werden will. "Wir wollen mehr Entscheidungsfreiheit für die Hamburger Politik", stellte Hajduk ohne Umschweife klar: "Es wird ein Unternehmen aus Hamburg für Hamburg, das dem Klimaschutz verpflichtet ist und sich am Gemeinwohl orientiert."
Zudem will Hamburg, so hat es das schwarz-grüne Bündnis vor einem Jahr in seinen Koalitionsvertrag hineingeschrieben, die Kontrolle über die Fernwärme- und Gasnetze zurückerlangen. Wenn die bestehenden Konzessionsverträge mit Vattenfall und Eon-Hanse 2013 auslaufen, will die Stadt die Leitungen in kommunale Regie überführen. An dieser Absicht habe sich nichts geändert, bestätigte Hajduk auf Nachfrage: "Wir prüfen die Details intensiv und sind in Gesprächen mit den Unternehmen."
Hamburg Energie wird mit einem Eigenkapital von zehn Millionen Euro als 100-prozentige Tochter der städtischen Hamburger Wasserwerke (HWW) gegründet und von deren Chefetage mitgeleitet. Es gebe Startvorteile durch Synergieeffekte in Verwaltung und Kundenbetreuung, glaubt HWW-Geschäftsführer Michael Beckereit, "außerdem kennen wir uns mit Leitungen und ihrer Wartung bestens aus".
Das betriebswirtschaftliche Ziel sei es, auf dem Markt in Hamburg und Umgebung "in die erste Liga aufzusteigen". Ein Sprecher der Umweltbehörde präzisierte später, damit sei "die Metropolregion" zwischen Lübeck, Cuxhaven und Lüneburg zu verstehen. "Wir wollen rasch die Nummer zwei werden", kündigte Beckereit an, ohne den Marktführer Vattenfall zu nennen.
Auch exakte betriebliche Kennziffern - Kundenprognose, Umsatzerwartungen und, für Verbraucher ganz wichtig, Preise wollte der HWW-Chef nicht nennen. "Wir müssen noch rechnen. Nach den Sommerferien werden wir alles bekannt geben."
Die beiden in Hamburg ansässigen Ökostromanbieter begrüßten die Stadtwerksgründung. Dieser Schritt eröffne der Politik "neue Gestaltungsmöglichkeiten bei Energieeffizienz und Klimaschutz", sagte Lichtblick-Geschäftsführer Christian Friege. Der Ökostromkuchen sei "groß genug für drei", glaubt auch Marcel Keiffenheim von Greenpeace Energy. Die Gegner seien "die großen Energieversorger mit ihren klimaschädlichen Angeboten", hieß es von Lichtblick und Greenpeace. Betont gelassen gab sich Vattenfall-Sprecherin Sabine Neumann: "Wir stellen uns jedem Wettbewerb."
Auch die Umweltverbände Nabu und BUND stehen Hamburg Energie positiv gegenüber. Vordringlich sei, dass der städtische Versorger auch wirklich eigenen Ökostrom produziert. Vorbildlich wäre es zudem, wenn die Stadt Hamburg ihren Strombedarf für etwa 50 Millionen Euro von der eigenen Enkelfirma beziehen würde, meinen die Verbände. Das wäre nach dem Auslaufen bestehender Lieferverträge möglich - ab 1. Januar 2011.
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