Wohnen mit Wanzen

ZWANGSRÄUMUNG Die am Donnerstag geräumte Familie lebt nun in einer Obdachlosenunterkunft

Die Ersatzwohnung liegt in den „Luisenstadt Apartments“ in Mitte, doch der klingende Name der Obdachloseneinrichtung täuscht. Eine flache Baracke an der Köpenicker Straße, ein langer, dunkler Gang, auf beiden Seiten Türen. Dahinter ein kleines Zimmer, metallene Bettgestelle und Matratzen, auf denen tote Bettwanzen kleben: das neue Zuhause der Familie S. Diese wurde am Donnerstag aus einer Wohnung der landeseigenen Gewobag geräumt (taz berichtete) – und will hier auf keinen Fall bleiben.

„Das war alles genau so“, sagt Mohamed S. und zeigt in das winzige Zimmer: Ein umgestürzter Tisch liegt neben den Bettgestellen, ein verrosteter Herd, ein Bad, das man wegen des Gestanks kaum betreten kann. Nur die Wanzen, die seien vor wenigen Tagen noch in Scharen über die Wände gekrabbelt. Mittlerweile hat jemand Gift gesprüht.

Mohamed S., seine Lebensgefährtin und die gemeinsame vierjährige Tochter wurden wegen angeblicher Mietschulden geräumt. Eine Auflistung darüber hat die Gewobag dem Mieter allerdings bis heute nicht vorgelegt. S. ist seit einem Schlaganfall schwerbehindert, die Miete wurde seit Jahren direkt vom Jobcenter überwiesen, das diese mehrfach später überwiesen hat.

Nach öffentlicher Kritik und vielen Protesten hatte die Gewobag kurz vor der Räumung erklärt, für die Familie stehe eine Ersatzwohnung bereit. Diese stellte sich nun jedoch als das Zimmer in der Obdachloseneinrichtung heraus. Sie wird von einem privaten Träger verwaltet, der Bezirk Mitte zahlt dem Träger 75 Euro pro Tag für die Familie – dreimal so viel, wie die Miete zuletzt betragen hat.

Unterstützer der Familie wollen am Donnerstag zum Bezirksamt Mitte ziehen, um auf die Zustände in der Unterkunft aufmerksam zu machen. Das Amt war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.