Damit sich eine Großwäscherei an zwei bundesweiten Ausschreibungen beteiligt, fordert die Konzernleitung von den Angestellten Mehrarbeit und Lohnverzicht.von Kai von Appen

Die Berendsen-Belegschaft bringt ihren Unmut zum Ausdruck. Bild: Markus Scholz
Ein unmoralisches Angebot: Damit sich die Glückstädter Großwäscherei für Krankenhaustextilien überhaupt an der bundesweiten Ausschreibung für zwei Großaufträge der Unikliniken Kiel und Lübeck beteiligt, verlangt die Berendsen-Konzernleitung von den 150 Beschäftigten eine Vorleistung in Höhe von 400.000 Euro. "Wir lassen uns nicht erpressen", schimpft Betriebsratchef Antonio Gagliardi. "Wir haben viele Opfer gebracht, bis hier und nicht weiter."
Anders als in Frankreich, wo in solchen Situationen die Chefs 48 Stunden eingesperrt würden, herrschten bei Berendsen keine französischen Verhältnisse. Als die Beschäftigten zum Auftakt der Verhandlungen zwischen Konzernleitung, Betriebsrat und IG Metall den Verhandlungssaal stürmten und belagerten, sicherte IG Metall-Verhandlungsführer Uwe Zabel der Konzernleitung zu, dass sie später wieder nach Hause fahren könne.
Trotzdem waren Wut und Empörung der Beschäftigten, die ihre Arbeit niedergelegt hatten, groß. "Ihr seid Blutsauger, aber nicht mit uns" oder "Wir machen saubere Wäsche, macht ihr saubere Firmenpolitik" stand auf ihren Plakaten. Selbst die jüngste Drohung des Konzerns, den Betrieb womöglich zu schließen, löste bei der gebeutelten Belegschaft kein besonderes Entsetzen mehr aus. "Es gibt einen Zeitpunkt, irgendwann aufzuhören", sagte Gagliardi. Denn seit 1999 habe der Berendsen-Konzern in der strukturschwachen Unterelberegion von den damals 800 Arbeitsplätzen bereits 650 abgebaut.
Mit der schwierigen Marktlage begründeten die Konzernchefs ihren ungewöhnlichen Vorstoß nach 1,5 Stunden unbezahlter Mehrarbeit, Streichung von Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie die Entgeltabsenkung durch Abgruppierungen - was für eine Mitarbeiterin mit einem Einkommen von 1.600 Euro brutto rund 400 Euro Einbußen bedeuten würde.
Zabel sagt, die Budgetierung im Gesundheitswesen führe dazu, dass auch die staatlichen Kliniken ihre Kosten senken müssten und auf Billiganbieter auszuweichen versuchten, um Mindereinnahmen zu kompensieren. Noch immer gebe "schmutzige Wäschereien", die Billigangebote vorlegten, da sie nur Dumpinglöhne von drei bis vier Euro zahlten. Ob der Mindestlohn für das Wäschereigewerbe zum 1. Juli schnell und nachhaltig greife, sei unklar. Daher sei laut Zabel die Politik gefordert, "für faire Arbeitsbedingungen" zu sorgen und "dreckigen Betrieben" die Rote Karte zu zeigen.
Die IG Metall forderte den Berendsen-Konzern auf, bei der Kieler Landesregierung vorstellig zu werden, damit die Arbeit "zu fairem Tarif" in der Region bleibe und sagte dafür Unterstützung zu: Auch die IG Metall werde Druck auf die Politik ausüben. Zudem solle über einen innerbetrieblichen Prozess "besser statt billig" verhandelt werden, um zum Beispiel durch Belegschaftsvorschläge die Energiekosten zu senken.
Es könne allerdings nicht sein, sagte Zabel, dass der dänisch-britische Konzern "bei den Schwächsten der Schwachen" abkassieren wolle, die ohnehin ihre Familien nur ernähren könnten, weil sie noch zwei Nebenjobs haben.
Die Verhandlungen sind auf Mitte Juli vertagt worden.
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