Aufgehoben im Nichts

AUSSTELLUNG In der Galerie K’ endet die Ausstellung „Blanks“. Die Arbeiten von drei Bremer KünstlerInnen beschäftigen sich mit dem Thema Leere – und dem Verhältnis von Kunst und sozialer Wirklichkeit

Das Politische an der Ausstellung „Blanks“, die in der erklärtermaßen linken Galerie „K’ - Zentrum Aktuelle Kunst“ zu sehen ist, erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Und auch auf den zweiten drängt zuerst die hohe Dichte an Schwergewichten der örtlichen Kunstszene in den Fokus.

Von Achim Bertenburg und Christian Haake waren viel beachtete Einzelausstellungen in der Weserburg und bei der GAK zu sehen. Hannah Regenberg, die jüngste der drei ausgestellten KünstlerInnen, war unlängst für den Bremer Förderpreis nominiert und ist in der kommenden Meisterschüler-Ausstellung der Hochschule für Künste zu sehen.

Diesen Spuren zu folgen, entlässt nicht in die Ruhe einer geborgenen Bedeutung

Auch die Leere, das verbindende Thema der sechs ausgestellten Arbeiten, ist zunächst kein Politikum. Da hängt Blankenbergs Ölgemälde „Brand“. Es zeigt eine vorwiegend weiße Fläche, die Spuren ihrer künstlerischen Bearbeitung aufweist. An einen Bluterguss erinnernd sind Strukturen wieder entfernter Farbschichten zu sehen – wie eine Wunde am Material. Diesen Spuren zu folgen, ist fordernd und entlässt nicht in die Ruhe einer geborgenen Bedeutung.

In der kleinen Ausstellung im Steintorviertel korrespondieren die Werke nicht nur räumlich unmittelbar: Auch Regenbergs Leere verweist auf ihr Äußerliches. Ihr Ausgangspunkt sind Werbeschriftzüge, an deren Formen sie plastisch arbeitet. Sie seziert das Medium Text und bricht es auf den Buchstaben als seine kleinste Einheit herunter. Ihrer Funktion als Bedeutungsträger entbunden, verliert sich schließlich auch deren Gestalt in abstrakten Gebilden aus Bandstahl oder Sperrholz. Auch hier ist die Spurensuche letztlich ohne Ziel. Oder eben nicht: Sie führt zur sozialen Wirklichkeit und der marktförmigen Organisation von Werbung, Text, Bild.

Auch Haake arbeitet räumlich und zeigt ein entleertes Gebilde, das im doppelten Sinn Raum für Spekulationen über seinen ehemaligen Inhalt eröffnet. Wie eine verblassende Erinnerung vermittelt es eine Idee davon, das mal etwas Anderes war.

So ist in allen Arbeiten zur Leere Gesellschaftliches aufgehoben. Ihr Zusammenspiel erweist sich als komplexe Studie sozialer Wirklichkeit, ohne sie zu deuten. Politische Kunst, verstanden als engagierte oder schlimmstenfalls parolenhafte, ist das erfreulicherweise nicht. Sie verlangt ihren Betrachtern mehr ab und lädt niemanden zum Mitmachen ein. Wer sich dem aussetzen möchte, hat dafür nicht mehr viel Zeit: Am Sonntag findet die Finissage statt, auf der auch eine Edition zur Ausstellung präsentiert wird.