Wie Yoga Kinder zu Engeln macht

Die Niederlausitz-Grundschule in Kreuzberg ist die erste Schule deutschlandweit, die Yoga zum Pflichtfach gemacht hat. Beim Kinderyoga lernen die Mädchen und Jungen, ihre Konzentration und Wahrnehmungsfähigkeit zu verbessern, aber auch Mitgefühl und Toleranz zu entwickeln

„Da konzentriert man sich, und dann wird man klug“, sagt Lena. Seit drei Jahren macht die Achtjährige regelmäßig Yoga, schon in der Vorschule hat sie begonnen. Jetzt geht sie in die 2. Klasse, und Yoga steht auf ihrem Stundenplan. „Unser Lehrer sagt immer, dass wir besser arbeiten können, wenn wir Yoga machen.“

An der Niederlausitz-Grundschule in Berlin-Kreuzberg ist Yoga ein ganz normales Unterrichtsfach. Bereits 1990 hat die Yogalehrerin Petra Proßowsky das Kinderyoga an die Schule gebracht und Vorschüler darin unterrichtet. Seit dem Jahreswechsel haben alle Kinder der ersten und zweiten Klasse Yogaunterricht, die dritten Klassen nehmen an einer Yoga-AG teil.

Die Schüler kommen aus verschiedenen Nationen: Es gibt viele türkische und arabische Kinder. „Wir sind sehr froh, dass bei uns die muslimischen Kinder und Eltern kein Problem darin sehen, Yoga zu machen“, sagt Schulleiter Manfred Holtz. Die Grundschule mit dem Schwerpunkt „Gesundheit und Bewegung“ bietet zahlreiche Angebote für Sport und Bewegung. „Yoga passt da sehr gut rein“, meint Holtz.

Kinderyoga ist ganz anders als Yoga für Erwachsene. Die Kinder brüllen dabei wie Löwen, wandeln sich von einer „Angsthasenblume“ in eine „stolze Blume“ oder summen wie eine Biene. Sie tauchen in Fantasiegeschichten ein, in denen Tiere aus aller Welt vorkommen, machen Traumreisen oder geben sich gegenseitig eine „Bärenmassage“.

Sich wiederholende Rituale, wie eine Minute still sein und gute Wünsche in die Welt schicken, geben den Kindern Sicherheit und Orientierung. Viele Yogaübungen wirken auf das Zusammenspiel der beiden Gehirnhälften und verbessern die Koordinationsfähigkeit, das Körpergefühl und die Konzentration.

Aber auch soziale Fähigkeiten werden beim Kinderyoga gefördert. „In meinen Yogageschichten geht es meist um menschliche Werte“, sagt Yogalehrerin Proßowsky. Die Kinder lernen, Mitgefühl und Toleranz zu entwickeln, und erfahren, wie sie sich entspannen können. „Das macht sie nicht nur gelassener, sondern auch emotional stärker und selbstbewusster“, erklärt Thomas Bannenberg, Yogalehrer aus Heidelberg.

Yoga tut Kindern auf ganzheitliche Weise gut, das konnten verschiedene Studien belegen. Auch Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit (ADS) profitieren von Yoga und lernen, zur Ruhe zu kommen. „Das Schönste ist, wenn sich in gemeinsamen stillen Momenten Kindergesichter entspannen und in Engelsgesichter verwandeln“, sagt Proßowsky. Vielen Jungen und Mädchen gefällt das Yoga so gut, dass sie zu Hause weiterüben und ihren Eltern zeigen, was sie gelernt haben. „Ich mache manchmal meiner Mutter eine Bärenmassage, weil sie einen kranken Rücken hat“, erzählt die siebenjährige Marlene. „Das tut auch ihr gut.“