NRW will Gasnost

Billige Energie direkt von Gazprom? Stadtwerke in NRW wollen sich von deutschen Monopolisten wie Eon Ruhrgas lösen. Verbraucherschützer erwarten sinkende Gaspreise. „Unser Protest hat gewirkt“

Die Stadtwerke in NRW wollen ins Gasgeschäft einsteigen und sich vom Lieferanten „Eon Ruhrgas“ unabhängig machen. Der Energieverbund „Trianel“, in dem sich 46 deutsche und niederländische Stadtwerke zusammengeschlossen haben, will direkte Verträge mit Gasförderern aushandeln. Ein möglicher Partner: der russische Konzern Gazprom. Schon vor anderthalb Jahren hat Trianel eine Arbeitsgruppe gebildet. „Wir können das nur in der Kooperation. Würden wir aus Unna in Russland anrufen, um Gas zu bestellen, wäre das lächerlich“, sagt Christian Jänig, Geschäftsführer der Stadtwerke Unna.

Eon Ruhrgas verkauft das Gas für bis zu dreimal so viel Geld weiter, wie er es etwa bei Gazprom einkauft. Bis zu sechs Cent pro Kilowattstunde müssen die Stadtwerke dafür zahlen, so Christian Jänig. Gazprom versucht deshalb seit gut einem Jahr in Deutschland selbst Gas anzubieten. Bekannt wurde das Engagement des russischen Konzerns durch den spektakulären Werbevertrag mit dem Bundesligisten Schalke 04. „Es gibt Pläne und Überlegungen, sich auch an Energieversorgern in Deutschland zu beteiligen“, so Andreas Böldt, Sprecher der deutschen Gazprom-Niederlassung zur taz. Das Unternehmen plane daraus ein eigenes Vertriebsnetz in Deutschland aufzubauen.

Vieles spricht also für die Kooperation. Peter Kunze von der Bürgerinitiative „Gaspreise runter Ostwestfalen-Lippe“ ist dennoch skeptisch, ob die Russen direkt an Stadtwerke verkaufen. „Warum sollte Gazprom mit den Kleinen verhandeln, wenn sie mit den Großen verbandelt sind.“ Tatsächlich hält Eon Ruhrgas 6,5 Prozent an Gazprom, zusammen bauen sie eine Gaspipeline durch die Ostsee.

Der Bund der Energieverbraucher hält es für einen Fortschritt, dass sich die Stadtwerke überhaupt nach direkten Gaslieferanten umsehen. „Das zeigt, dass der Protest der Verbraucher Wirkung zeigt. Durch die Konkurrenz könnten die lokalen Verteiler die Gaspreise drücken“, sagt der Vorsitzende des Vereins Aribert Peters.

Zurzeit ist Eon Ruhrgas deutschlandweit der einzige Gas-Importeur. Die lokalen Stadtwerke sind von diesem Monopolisten abhängig. „Das ist schlicht und einfach nervend“, sagt Christian Jänig mit Blick auf die Preiserhöhungen der letzten Monate. „Wir werden getreten, obwohl wir dafür nichts können.“ Um diese Abhängigkeit zu verringern, haben sich die Stadtwerke 1999 bei Trianel zusammengeschlossen. Mit dabei sind städtische Versorger aus Aachen, Bonn, Lünen und Unna. Gemeinsam bauen sie derzeit in Hamm-Uentrop ein Gas-Kraftwerk, ein weiteres in Lünen wird geplant.

Als möglicher Lieferant ist nicht nur Gazprom im Gespräch: „Wir werden auch mit norwegischen und algerischen Lieferanten verhandeln“, sagt Christian Jänig. Mit einem schnellen Vertragsabschluss rechnet er nicht. „Wir werden nicht vor 2008 mit den Verhandlungen beginnen.“ Frühestens 2010 könnte sich das für Stadtwerke und Verbraucher lohnen – wenn die Gaspreise sinken.