WAS MACHT EIGENTLICH ...… der Sparkommissar?

Hoffentlich Geschichtsbücher lesen

In letzter Zeit wurde öfter mal die Forderung nach einem „Sparkommissar“ für Berlin laut. Jemand von außerhalb soll Hoheit über das Staatssäckel erhalten und gewährleisten, dass das verschwendungssüchtige Hauptstadtvolk seine Ausgaben zusammenhält.

Eine höchst gefährliche Idee – besonders für den zukünftigen Obersparer oder die Obersparerin. Ein Interessent für diesen Posten tut gut daran, vor der Abreise in die Hauptstadt das Geschichtsbuch zu konsultieren. Und sich das Schicksal des Propstes Nikolaus von Bernau zu Gemüte zu führen: Der trieb 1325 im Auftrag eines sächsischen Herzogs bei der Bevölkerung den Zehnten ein. Dann wollte er den geschröpften Berlinern auch noch die Treue zu ihrem geliebten Markgrafen madig machen. In der Marienkirche beschimpfte er sie als „Schurken“ und forderte, sie sollten endlich den vom Papst ernannten Herzog Rudolf von Sachsen als Landesherrn anerkennen. Ein wütender Mob zerrte den Propst daraufhin aus der Kirche auf den Marktplatz, erschlug ihn und verbrannte ihn auf dem Scheiterhaufen. Vielleicht schlug man den Unglücklichen auch schon in der Kirche nieder und verbrannte ihn anschließend bei lebendigem Leibe – die Chroniken gehen in diesem Punkt auseinander. Noch heute erinnert jedenfalls ein steinernes Sühnekreuz auf dem Neuen Markt an die Bluttat. Was das Schlimmste an der Geschichte ist: Erst ein 22 Jahre dauernder bischöflicher Bannfluch konnte die Berliner zur Abbitte für den Mord bewegen. Für den toten Geldeintreiber aber war’s zu spät. API FOTO: ARCHIV