Bielefeld?

So eine zweckdienliche Architektur wie die hier im Bild steht in Deutschland doch tupfengleich überall in den Städten herum. Dass es sich jetzt dabei im Speziellen um die Universität Bielefeld handeln soll, kann deswegen ja jeder behaupten. Das ist kein Beweis. Am wenigsten ein Beweis für die Existenz Bielefelds, weil die Stadt am Teutoburger Wald bekanntermaßen nur eine Erfindung ist, was seit Jahren als die Bielefeldverschwörung durch das Netz geistert. Wie die Kunde von Bielefeld überhaupt in die Welt kam, muss man sich wohl so vorstellen, dass mal irgendein Entdecker sich im Wald versteckt hat, aus dem er dann Wochen später wieder hervorgekrochen kam und erfundene Geschichten von einer neu entdeckten Stadt verbreitete, so wie das Peter Bichsel in einer seiner „Kindergeschichten“ aufgeschrieben hat. Nur dass es bei Bichsel gleich um einen ganzen Erdteil ging. „Amerika gibt es nicht“, heißt es bei ihm. Bielefeld muss sich also nicht grämen: Es gibt noch viel größere Dinge, die es gar nicht gibt. Zur weiteren Verbreitung der Bielefeldverschwörung – oder möglicherweise der Widerlegung – gibt es mittlerweile eine Film dazu, einen Comic und auch einen Roman. Ein Thriller. „Die Bielefeld Verschwörung“. Heute Abend stellen ihn der Autor Thomas Walden und die „Original Bielefelder“ in einer szenischen Lesung im tazcafé vor. Und Walden ist schon ein Mann, der sich mit dem nichtexistenten Bielefeld auskennt, weil er an der dortigen Universität als Medienpädagoge arbeitet.