Henna Peschel, Filmemacher

Der No-Budget-Mann

Beim Dreh der Action-Komödie „Pete the Heat“ hat der Filmemacher Henna Peschel das übliche Verfahren im Catering-Bereich über den Haufen geworfen. Statt der Mettwurst-Brötchen, die Peschel sonst für seine nicht bezahlten Schauspieler schmiert, gab es Schinken-Brötchen. „Ich habe festgestellt, dass die Laune bei Schinkenbrötchen sehr viel besser ist“, sagt Peschel. Außerdem habe er den Schinken im Supermarkt umsonst bekommen. „Er war abgelaufen. Aber gesundheitsschädlich war er nicht, da habe ich mich erkundigt.“

Beim Filmfest Hamburg hat Peschel für „Pete the Heat“ den Montblanc-Drehbuch-Preis in Höhe von 10.000 Euro bekommen. Das Geld will er direkt in den nächsten Dreh stecken. „Pro Preis ein Film“, sagt Peschel.

In „Pete the Heat“ geht es um drei Freunde, die aus Hamburg abhauen wollen. Ihr Ziel ist die „Insel der Faulen“ in der Karibik. Dort gedeihen die Früchte besser als irgendwo sonst, entsprechend weniger müssen die Menschen arbeiten. Also machen sich die drei Freunde auf den Weg – mit einem Hausboot, das in der Mitte durchgebrochen ist.

„Pete the Heat“ ist wie „Dicke Hose“, „Madboy“ und „Rollo Aller!“ ein Hamburg-Film. Alle Figuren bewegen sich am Rande des Ruins, finanziell, sozial oder beides. Dem Absturz haben sie eine Coolness entgegenzusetzen, die aus einer Mischung aus Hafenarbeiter-Proll, Boheme und Größenwahn entsteht.

Peschel, 43, ist in Hamburg-Wilhelmsburg geboren, lebt nach wie vor in Hamburg und hat keine Lust, sich mit der Filmförderung zu beschäftigen, genau wie der Regisseur Klaus Lemke, für den Peschel bei zwei Filmen die Kamera gemacht hat. Was er von Lemke gelernt hat? „Dass Filmemachen heißt, sich mit seinem ganzen Körper kopfüber in eine Grube voller Matsch zu werfen.“

Zur Premiere von „Pete the Heat“ auf dem Filmfest fuhr Peschel mit einem alten Wasserwerfer vor, aus dem die Schauspieler im Smoking ausstiegen. Das klingt wie eine Story, die dem Hafenarbeiter-Größenwahn entsprang. Ist sie aber nicht. Das Beweis-Video steht auf Facebook. „Ich wollte eine Duftmarke setzen“, sagt Peschel.KLAUS IRLER