„Kaum noch zu erkennen“

PUTZEN Die Stolpersteine im Gedenken an Bremens Nazi-Opfer werden wieder auf Hochglanz poliert

taz: Wann sind Sie selbst zum ersten Mal über einen Stein gestolpert?

N.N.: Das ist gut eineinhalb Jahre her. Jemand hatte Rosen neben einen Stolperstein gelegt.

Warum treten Sie heute als Putzmann der Steine an?

Es ist extrem wichtig, weiter den Opfern von Nazi-Deutschland zu gedenken. Und es ist auch nicht damit getan, irgendwo in Berlin ein großes Denkmal zu bauen. Vieler dieser Gedenksteine sind heute kaum noch zu erkennen, zum Teil, weil sie Opfer von Neonazis werden. Der größte Übeltäter sind aber das Wetter, der Straßendreck und die FußgängerInnen, die drüber laufen. Oft muss man sehr genau suchen, bis man sie sieht. Deswegen wollen wir sie auf Vordermann bringen.

Wer ist dieses „wir“?

Eine Privatinitiative aus jungen und älteren Leuten, die zu keiner speziellen Gruppe gehören.

Aber auch andere Denkmäler verwittern oder werden beschmiert.

Die Stolpersteine sind klein, unauffällig und über die ganz Stadt verteilt. Das ist kein überdimensionales Monument, das mitten in die Stadt geklatscht ist und als Touristenattraktion oder zu Prestigezwecken dient. Die Leute müssen sich, um die Inschrift zu lesen, im Grunde vor den Opfern verbeugen.

Manche sagen, da werden Menschen mit Füßen getreten.

Das muss jeder für sich selbst sehen. Ich fasse das positiv auf.

In Bremen gibt es 434 Stolpersteine. Wollen Sie alle putzen?

Einige sind noch neu, aber wir haben uns zum Ziel gesetzt, rund 420 Steine zu putzen. Ob wir das schaffen, hängt davon ab, wie viele heute kommen.

Wie genau werden die geputzt?

Es gibt ein Spezialputzmittel für Messing, mit dem wir arbeiten.

Wie lange dauert das?

Jeweils fünf bis zehn Minuten.

Werden dabei auch die Geschichten der Opfer erzählt?

Die große Biografie zu den einzelnen Schicksalen erscheint erst im kommenden Jahr. Int.: mnz

Treffpunkt: 11 Uhr, Hauptbahnhof