„Eine perfide Situation“

VORTRAG Juliane Lang diskutiert Geschlechterrollen rechter Frauen zwischen Differenz und Gleichheit

taz: Frau Lang, wie sieht die „moderne rechte Frau“ aus?

Juliane Lang: Es gibt nicht die eine rechte Frau. Die Lebensentwürfe innerhalb der extremen Rechten haben sich ausdifferenziert. Es gibt sowohl das traditionelle Bild der biederen Mutter als auch die junge Aktive, die mehr oder weniger gleichberechtigt an Demos oder militanten Aktionen teilnimmt.

Wie ist die Entwicklung der Frau in der rechten Szene?

Es gab immer Frauen in der extremen Rechten. Der Unterschied ist, wie offensiv sie mittlerweile an die Öffentlichkeit gehen. Wenn sie früher aus der zweiten Reihe vor allem für sozialen Zusammenhalt sorgten, inszenieren sie sich heute stärker, um mehr junge Frauen anzusprechen. Laut NPD ist jeder zweite Neueintritt eine Frau. Die Rolle der Frauen in der rechten Szene ist nicht zu unterschätzen.

Was haben Sexismen und Rassismen miteinander zu tun?

Rassismus funktioniert oft vergeschlechtlicht – zum Beispiel über das Bild des bedrohlichen Migranten. Die eigene Gemeinschaft wird als Schutzraum konstruiert, welcher die rechte Szene jedoch nicht ist. Nach wie vor ist Gewalt gegen Frauen dort an der Tagesordnung.

Gibt es rechten Feminismus?

Nein. 2005 hat der Mädelring Thüringen zwar den „nationalen Feminismus“ ausgerufen, wurde aber belächelt. Flügelübergreifend dienen Feminismus und „Gender Mainstreaming“ als Feindbild. Ein soziales Geschlecht birgt Gefahren für das Konstrukt „Volksgemeinschaft“, in der Männer und Frauen qua Geschlecht klare Rollen zugewiesen werden. Auch wenn Frauen heute in allen Spektren und Positionen aktiv sind, werden sie doch an die völkische Pflicht zur Mutterschaft erinnert.

Ist Beate Zschäpe ein Vorbild für Nazi-Frauen?

Es ist eine perfide Situation, dass das bekannteste Gesicht des deutschen Rechtsextremismus zur Zeit eine Frau ist. Das zeigt die wichtige Rolle der Frau innerhalb der extremen Rechten. Die Kernzelle des NSU blieb dank Zschäpes aktivem Zutun hinter einer bürgerliche Fassade. Da ist es zweitrangig, ob sie eine Waffe in der Hand hatte oder „nur“ davon wusste. Ohne das vielfältige Engagement von Frauen würde Rechtsextremismus nicht funktionieren. INTERVIEW: KORNELIUS FRIZ

19.30 Uhr, Infoladen, St. Paulistr.10