Ein ganz privater Fehlschlag

Bremen hat vor sieben Jahren stolz die Gründung einer privaten Elite-Universität nach amerikanischem Vorbild verkündet. Aber das Geld der Elite kam nicht – nun fehlt es an Liquidität. Vom klammen Bremen ist keine Unterstützung zu erwarten

Über die Finanzlage von Bremens „International University“ mag IUB-Präsident Joachim Treusch derzeit ungern reden. Es sei doch alles gesagt, lässt er mitteilen. Gerade wurden 340 neue Studierende mit Eröffnungszeremonie und Barbecue begrüßt. Die PR-Abteilung der IUB verbreitet die Rede von Treusch unter dem Motto „Talent und Geist sind unser Kapital“. Treusch beschwört da den gemeinsamen Geist mit der Yale-Universität. Die IUB sei zwar nicht so alt, so groß und so wohlhabend wie Yale, aber er sei „sehr optimistisch“, dass er „im Vertrauen auf diesen einzigartigen Geist der IUB auch langfristig für ihren wirtschaftlichen Erfolg sorgen könne.“ Immerhin seien die Studierenden „als die besten Bewerber und Bewerberinnen aus ihrem Land ausgewählt“ worden. Diesmal sind die Studienanfänger zu 25 Prozent Deutsche – in den vergangenen Jahren waren Rumänen und Bulgaren die Spitzenreiter gewesen.

Die Frage ist, ob die neuen Studenten der IUB dort in drei Jahren ihren Bachelor machen können. Ob da der Geist als Kapital reicht? „Wenn die Elite nicht zahlt“ titelte die Zeit und „Wasser bis zum Hals“ formulierte das Manager-Magazin. Und gerade das kann die IUB derzeit am allerwenigsten gebrauchen: Negative Schlagzeilen in Medien, die bundes- und weltweit von möglichen Sponsoren wahrgenommen werden. Denn der erhoffte Strom der Spenden blieb in den vergangenen fünf Jahren aus. Wie der neue IUB-Präsident Treusch (65), der langjährige Leiter des Forschungszentrums Jülich, mehr einwerben will als sein Vorgänger Fritz Schaumann, ist bisher sein Geheimnis.

Die IUB versuchte zuletzt, über eine Initiative in den USA, dem gelobten Land der Privatuniversitäten und Stiftungen, Geld einzutreiben – 300.000 Dollar waren das magere Ergebnis. Das reicht knapp für eine Woche IUB-Betrieb.

Im Juni 2006 tagte in Bremen die Wissenschaftsdeputation zum Thema IUB. Nach dem Austausch von allerlei Höflichkeiten über den Erfolg der staatlich gepamperten Privatuniversität kam die Runde zur Sache. Der scheidende IUB-Präsident Fritz Schaumann versicherte dem Protokoll zufolge: „Die IUB hat das Land bisher nicht um Unterstützung bei den Finanzproblemen gebeten und wird das auch weiterhin nicht tun.“

Die Vertreter der Koalition nahmen diese Ankündigung dankbar auf: Birgit Busch von der SPD begrüßte „ausdrücklich, dass Dr. Schaumann kein Geld vom Land erwartet“. Iris Spieß (CDU): „Hervorzuheben ist, dass die IUB keine Finanzierung vom Staat erwartet.“ Und abschließend versicherte Schaumann, „dass die IUB nicht illiquide ist“. Jedenfalls jetzt nicht.

Hinter vorgehaltener Hand wird in Bremen die Frage diskutiert, was nach der IUB kommen könnte. „Unverständlich“ und „unverzeihlich“ findet die grüne Oppositionspolitikerin Silvia Schön die Informationspolitik der IUB. Aber auch für sie ist klar: „Kein müder Cent“ dürfe nachgeschossen werden in die Privatuniversität. Denn jährliche Zuschüsse von 20 Millionen Euro für tausend Studierende kann sich das Land Bremen nicht leisten, das gerade die Finanzierung seiner eigenen Universitäten (knapp 30.000 Studierende) um diese Größenordnung kürzen muss. Wobei die IUB ihre Kosten deutlich ausweiten müsste, um ihre ambitionierten Ziele zu erreichen: In der jetzigen Verfassung könne die IUB „nicht aus eigener Kraft eine international sichtbare Forschungsuniversität“ werden, hatte jüngst eine hochrangig besetzt Expertise über die IUB ergeben. Leiter der Kommission war ausgerechnet der Vorsitzende der Volkswagenstiftung, Wilhelm Krull, sozusagen ein Häuptling der Geldgeber, auf die die IUB so viel Hoffnung gesetzt hatte.

Die Eckdaten für das, was nach der IUB kommen könnte, sind klar: Das Gelände mit den Bauten fiele für einen Euro an das Land. Das hatte sich Bremen bei seiner Gründungs-Spende schriftlich zusichern lassen. Vermutlich würde das Land den Campus samt Studenten und Hochschullehrern der Bremer Universität zuschlagen – jedenfalls für die Zeit, in der die befristeten Hochschullehrerverträge noch laufen.

Aber für die Nachricht vom Scheitern der IUB will niemand den Boten spielen. Für 2006 seien Liquiditätsengpässe nicht zu erwarten, versicherte der Vizepräsident der IUB im Juli in einer streng vertraulichen Sitzung vor Staatsvertretern – und sammelte vorsichtshalber das Blatt Papier, auf dem das dargestellt wurde, nach der Sitzung wieder ein.

Bis Ende September erwarten die Vertreter des Landes Bremen einen Bericht darüber, wie die IUB das Spendenaufkommen in den nächsten Jahren bewertet und wie sie ihre Bankschulden abbauen will. IUB-Präsident Joachim Treusch macht sich derweil mit einem fröhlichen Spruch Mut: „Wenn einem das Wasser bis zum Hals steht, dann muss man den Kopf besonders hoch halten“, erklärte er dem Manager-Magazin.